Medienberichterstattung im Krieg



Friedensjournalismus: Meinungen

Zum Inhalt Medienberichterstattung im Krieg

Vor eingeschränkten Sichtweisen hüten

Wenn Journalisten eine präventive Konfliktberichterstattung leisten sollen, so müssen sie sich nicht nur davor hüten, die eingeschränkte Sichtweise einer der Konfliktparteien zu übernehmen und weiterzutragen. Sie müssen auch Vorsicht gegenüber der gebräuchlichen journalistischen Praxis walten lassen, ihre Berichte und Kommentare dadurch zu dramatisieren, dass sie die Konflikte in ihrer Darstellung noch weiter zuspitzen, als es der tatsächlichen Eskalationslage entspricht. Selbst ganz normale demokratische Prozesse, denen keinerlei Regelverletzung zu Grunde liegt, werden für das Medienpublikum mitunter dadurch „interessant“ gemacht, dass sie als ein erbitterter Kampf um unverzichtbare Rechte dargestellt werden. Eine solche Polarisierung von Konflikten behindert nicht nur eine konstruktive Konfliktlösung, sie ist auch ein ziemlich untaugliches Mittel zur Schaffung von Dramatik und Interesse. Nur allzu oft dient sie als Ersatz für Sachinformationen, die das Geschehen weit dramatischer und interessanter machen könnten, indem sie dem Publikum mitteilen, worum es in dem Konflikt geht, und nicht nur, wer welche Gemeinheit gegen wen (angeblich) begangen hat oder demnächst begehen wird. Um zur Prävention destruktiver Konfliktverläufe beitragen zu können, sollten Journalisten die folgenden Richtlinien beachten:

1. Dramatik durch Sachinformationen;
2. Verzicht auf Polarisierung;
3. Deeskalationsorientierte Berichterstattung;
4. Misstrauen gegenüber dem Plausiblen.

So lange sich Journalisten nicht dazu durchringen können, diese einfachen Regeln zu befolgen, oder so lange es ihnen an Kompetenz mangelt, die dazu erforderlich ist, mag es besser sein, wenn Konflikte von der Aufmerksamkeit der Medien verschont bleiben. Die eigene Eskalationsdynamik, welche Konflikte aufweisen, ist gefährlich genug, und es besteht kein Bedarf an Medien, die noch Öl ins Feuer gießen.

Wilhelm Kempf, Friedensbericht 1999.


Opferorientierte Berichterstattung

„Ich denke schon, dass man die Kriegsschrecken in Gestalt der Tötung und Verletzung und des Quälens von Menschen darstellen sollte, weil dies ja eine gewisse Schock-Betroffenheitswirkung erzeugen kann. Ich meine aber, es ist falsch, wenn man dabei stehen bliebe. Die opferorientierte Berichterstattung im Sinne von exzessiven Bildern sollte eingebettet sein in eine Hintergrundberichterstattung des Konfliktes, die auch die Entstehungsgeschichte eines Konfliktes zeigt, die Ursachen und die Einbeziehung von Teilen der Zivilbevölkerung in die Auseinandersetzung.“

Volker Matthies, Friedensforscher



Stärkere Nutzung moderner Kommunikationsmittel

Die derzeitige Kriegsberichterstattung wird den modernen technischen Möglichkeiten nicht gerecht.
Ich schlage beispielsweise eine stärkere Nutzung des Internets oder anderer moderner Kommunikationsmedien vor, die auf beiden Seiten der Front existieren. Wobei mir klar ist, dass das Internet nur bedingt tauglich ist. Da wird auch viel herumspekuliert, es werden Verschwörungstheorien entwickelt und dergleichen. Durch eine saubere Gegenrecherche kann man aber durchaus Licht ins Dunkle bringen. Viel wichtiger ist mir ein sozialer Aspekt: Die Kooperation unter Journalisten über Kulturen und Grenzen hinweg. Da lasse ich mich von dem Grundgedanken leiten, dass man die Verhüllungsstrategien der Militärs gemeinsam viel besser aufdecken könnte. Wenn sich alle Welt vernetzt, müssen sich auch Journalisten vernetzen.

Friedrich Krotz, Medienwissenschaftler


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