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CNN inszeniert seine "Iraq-Story" in amerikanischen (Film-)Bildern. Nach "stand-off in Iraq" (Patt im Irak) und "the hunt for weapons" (die Jagd nach Waffen), wie der Sender die Vorbereitungen nannte, hat er zur heißen Phase übergeblendet: Jetzt erfolgt alle Berichterstattung unter dem Titel "showdown: Iraq". Wie schon in der Berichterstattung über den Afghanistankonflikt hat damit die dramaturgische Anlage er angelaufenen "continuing coverage", der Reality-Fortsetzungsstory vom Schlachtfeld, eine innere Logik: Als Folge der Kriegszug, wie ein Genre-Roman oder ein Hollywood-Schinken, von Anfang an einen feststehenden Ablauf mit feststehendem Ende. Der Krieg als narrativer Text, CNN als Betreiber einer journalistisch verbrämten Teleologie, die im Dienst von Kommerz und Patriotismus entsponnen wird. (...) CNN erzeugt mit seiner Narration vom Krieg das Klima eines Countdowns, der unweigerlich bis Zero zählt auch das ist ein sehr amerikanischen Bild. Ein Countdown ohne Explosion wäre ein Rohrkrepierer. Der Countdown-Effekt hält das Publikum bei der Stange, erzeugt Spannung, eine Atmosphäre des Hinwartens auf den ersten Schlag, wie er etwa in Afghanistan am 7. Oktober 2001 Realität wurde. Auch damals musste nach dem Willen von CNN die Weltöffentlichkeit ungeduldig warten, der Trailer des Nachrichtensenders sagte es: "the world watches and waits". Der Krieg, der noch in der Aufwärm-Phase steckt, wird von CNN mangels Bildern mit Worten geführt. Es sei nun unausweichlich, dass bald "Schläge der US-Steitkräfte" einsetzen, sagen sie, während sich die Flugzeugträger in Position bringen. Es sei nun "täglich mit Militäraktionen zu rechnen", es sei "nur noch eine Frage der Zeit". Dieses immer wiederkehrende anonyme "Es" kaschiert das "Wir" der Nachrichtenmacher von CNN, verschleiert, dass sie es sind, die Druck aufbauen und damit Realität schaffen. (...) Die CNN-Berichte erzeugen eine Stimmung, die am Ende reale, politische Bedeutsamkeit gewinnt: ein Reflex, in dem konstruierte Strukturen des Marketings über die Medien mitten hinein in die praktische Politik wirken. Umso erfolgreicher, je weniger sich Politiker dem öffentlichen Erwartungsdruck entziehen können. Nie deutlicher als in diesen Tagen prägt die "Bedeutsamkeitsspriale" die globale Öffentlichkeit: Eine von CNN gepflegte deterministische Sichtweise zusammen mit einer geschürten Stimmung der Unausweichlichkeit schaffen politische Fakten.
Martin Hecht: High Noon. CNN berichtet über Irak in Erzählmustern, die nur ein Ende kennen Krieg. Frankfurter Rundschau, 12.2.2003, S. 113, Auszüge.
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