Kriegsfolgen



Umwelt und Krieg

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Kriege vernichten Menschenleben. Gleichzeitig zerstören sie aber auch die Lebensgrundlage der Menschen. Dadurch wird das Leben und Überleben der Menschen auch nach dem Ende der Kampfhandlungen erschwert und gefährdet.

Schutz der Umwelt im Krieg

„Die Umwelt muss in Kriegen geschützt werden. Sie verdient ähnlich festgeschriebene Schutzmaßnahmen, wie etwa die Zivilbevölkerung. Diese Forderung stellte Kofi Annan anlässlich des ersten "Internationalen Tages für die Verhütung des Missbrauchs der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten".
Kriegsschäden werden in Toten, Verwundeten oder zerstörten Gebäuden beziffert. Über die entstandenen Umweltschäden wird meist viel weniger berichtet. Annan erinnerte an die massiven Langzeitfolgen. Diese würden die Menschen ebenso betreffen wie die Gewalt des Krieges. Schäden durch Öl, Chemikalien, Landminen oder Blindgänger seien oft für lange Zeit nicht zu beseitigen. Sind Wasser, Luft und Böden verseucht, ist die Lebensgrundlage bedroht und läßt ganze Bevölkerungen flüchten.“

www.greenpeace.de/themen/frieden/nachrichten/artikel/umweltschutz_im_krieg/
10.05.2003

Umweltzerstörung durch Krieg in Afghanistan

„Einer Studie des UNEP (UN Environment Programme) zufolge haben 20 Jahre Krieg der Umwelt Afghanistans so schweren Schaden zugefügt, dass die Wiederherstellung gefährdet ist.
20 afghanische und ausländische Wissenschaftler haben 38 Stellen in vier Städten und 35 ländliche Gegenden besucht. Sie fanden, dass in drei Provinzen des Landes mehr als die Hälfte der Wälder zerstört ist. In den Städten ist die Wasserversorgung so beeinträchtigt, dass weniger als 12 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben. Eine geregelte Müllbeseitigung gibt es kaum noch. Ölraffinerien und Fabriken stellen ein ernstes Gesundheits- und Umweltrisiko dar. Kinder arbeiten zwölf Stunden am Tag ohne Schutzvorkehrungen mit Chemikalien und übernachten dann noch neben den Maschinen.
Im vergangenen Jahr sind zwei Millionen Flüchtlinge nach Afghanistan zurückgekehrt, für 2003 werden noch einmal 1,5 Millionen Rückkehrer erwartet. Das ausgeblutete Land wird die Menschen kaum versorgen können.“

www.greenpeace.de/themen/frieden/nachrichten/artikel/kriegsfolgen_fuer_afghanistans_umwelt

10.05.2003

Folgen des Irak-Kriegs 2003

Spiegel: Herr Töpfer, im Vergleich zum letzten Golfkrieg brannten diesmal bisher nur wenige Ölquellen. Sind die Umweltfolgen deshalb weniger dramatisch?
Töpfer: Sicher sind bislang weniger giftige Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Rußpartikel oder Dioxine in den schwarzer Rauchwolken aufgestiegen. Aber auch die Verbrennung von Öl in Gräben zur Verwirrung der Angreifer ist die Variante eines Umweltkriegs, wie wir sie schon aus der Antike kennen. Die erste Auswertung von Satellitenbildern durch unsere Expertengruppe ist schon heute beunruhigend.
Spiegel: In Kuwait stieg beim letzten Krieg die Sterblichkeitsrate um zehn Prozent. Selbst die Frühjahrsblüte blieb aus.
Töpfer: Wir müssen auch nach diesem Krieg mit vielen Langzeitopfern rechnen. Denken Sie nur an die Zerstörung der Wasserversorgung oder der Abwassersysteme, die Erkrankungen insbesondere bei Kindern erzeugen werden. Nach den Kriegen auf dem Balkan, in Afghanistan oder Palästina haben wir schon konkrete Umweltbewertungen gemacht. Dazu gehören auch die Auswirkungen von abgereicherter Uranmunition.

Auszüge aus einem Spiegel-Interview mit Klaus Töpfer, Leiter des UNO-Umweltprogramms in: Der Spiegel, 15/ 2003, S. 34.


Dimensionen ökologischer Kriegsfolgen: zum Beispiel Kuwait 1991

„Die im Golfkrieg 1991 in Kuwait verursachten Umweltschäden lassen sich zusammenfassend in folgende Bereiche einteilen:
a) Verschmutzung der Atmosphäre: Mehr als 751 Ölquellen standen im Zeitraum von Januar bis November 1991 in Flammen. Der Emir von Kuwait löschte am 6. November symbolisch die letzte Flamme und ließ für die dokumentarischen Filmaufnahmen Tonnen sauberen Wüstensands an den Ort des Geschehens transportieren. Das Washingtoner Worldwatch Institute schätzt, daß in den ersten Monaten nach Kriegsbeginn ungefähr sechs Millionen Barrel Rohöl täglich in die Luft geschleudert wurden - das sind 9% des weltweiten Verbrauchs. Im Durchschnitt verbrannten während der neun Monate 2, 5 bis 3 Millionen Barrel täglich. Nimmt man dazu noch die ausgeflossenen Mengen, nähert man sich einer Zahl in Höhe von tausend Millionen Barrel. Von diesen Belastungen gelangten ca. 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre, was einem Äquivalent von 1, 8 % des weltweiten Ausstoßes pro Jahr entspricht. Dazu kommen sechs Millionen Tonnen Schwefel, eine Million Tonnen Stickstoff, Tausende von Tonnen Ruß (Partikel und Pulver) und außerdem große Mengen von Kohlenwasserstoff..
b) Verschmutzung des Meeres: Die Ölpest betrifft hauptsächlich das Gebiet der Südküste Kuwaits. Im Norden des Landes haben sich im Verlauf des Jahres I99I zahlreiche Ölteppiche unbekannter Herkunft gebildet.
c) Verschmutzung des Trinkwassers: Die Bemühungen, die durch atmosphärische Verschmutzungen hervorgerufenen Ablagerungen auf dem Meereswasser durch eine Chlorbehandlung zu beseitigen, verursachen verschiedene krebserregende Substanzen, die auf dem Weg über die Meeresentsalzungsanlagen direkt in die Trinkwasserbecken der Bewohner gelangen.
d) Verseuchung der Wüste: Ungefähr 60% der I7000 km2 Fläche Kuwaits sind von einer Decke aus Ruß und Öl bedeckt. Ausgedehnte Ölseen führen unmittelbar zum Tod von Flora und Fauna, machen diese Gegenden für die Zukunft unbrauchbar und bedeuten höchste Gefahr und unbestimmbare Risiken in der Zeit großer Wüstensandstürme.
e) Kriegsmüll: Zerstörte Militärfahrzeuge sowie Reste detonierter Sprengkörper und Tonnen hochexplosiver Munition (wie Minen und vor allem Flugzeugmunition) bedecken geradezu das Land. Für einen Großteil des Landes gilt deshalb: Zutritt nur unter Lebensgefahr; Unfälle sind an der Tagesordnung.
f) Radioaktivität: Annähernd 40 Tonnen konzentrierten Urans, das von den Ummantelungen amerikanischer und englischer panzerbrechender Hohlraumgeschosse stammt und zu deren Härtung eingesetzt wird, verseuchen kuwaitischen und irakischen Boden. Offiziellen britischen Quellen zufolge ist die Situation besorgniserregend, da auf mittlere und lange Sicht mehr als eine halbe Million Menschen von den Folgen der Strahlungen des radioaktiven Materials betroffen werden könnte.“

Barceló, Nicolau: Keine weiteren Siege wie diesen! Die ökologischen Auswirkungen des zweiten Golfkriegs, in: Mayer, Berthold/ Wellmann, Christian (Red.): Umweltzerstörung: Kriegsfolge und Kriegsursache, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1992, S. 120/ 121.


Dimensionen ökologischer Kriegsfolgen: zum Beispiel Landminen

„Antipersonenminen bleiben bis zu vierzig Jahre lang wirksam und fordern so weiterhin Opfer in der Zivilbevölkerung, auch wenn schon längst ein Friedensvertrag unterzeichnet ist.
Eine Antipersonenmine kostet nicht viel, deshalb wird sie bei den meisten bewaffneten Konflikten gleich massenhaft eingesetzt.
Ein Minenunfall bedeutet für das Opfer Amputation, Infektionen, Wundbrand, Erblindung und andere schwer Verletzungen.“

Bayle, Reine-Marguerite: Landminen. Ein Bein für fünf Dollar, Berlin: Elefanten Press 1999, S. 56.

Falklandinseln 1982

„Auf den Falkland-Inseln sollte die Räumung der Minen unmittelbar nach dem Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien (1982) beginnen. Aber diese Aufgabe erwies sich als derart schwierig, das sie letztendlich nicht durchgeführt wurde. Teile der Inseln sind heute Sperrgebiet und damit für beide Seiten verloren.“

Bayle, Reine-Marguerite: Landminen. Ein Bein für fünf Dollar, Berlin: Elefanten Press 1999, S. 63.

Blindgänger im Irak 2003

„Das Ausmaß von Minenfeldern und nicht explodierter Munition ist nur schätzbar. UNEP geht von 10 000 bis 40 000 herumliegenden Blindgängern aus. Zudem verschossen die Koalitionstruppen eine noch unbekannte Menge von abgereichertem Uran, dass als Panzer brechende Waffe verwendet wird. Im Golfkrieg 1991 hatten die USA nach eigenen Angaben 290 Tonnen abgereichertes Uran verschossen. Im Vergleich dazu: Im Kosovo-Krieg wurden neun Tonnen abgereicherten Urans eingesetzt. Die Munition, die aus Abfallprodukten von Atomkraftwerken hergestellt wird, gilt als hochgiftig und Krebs erregend, wenn sie beim Aufprall auf ein gepanzertes Ziel zerstäubt.“

Pierre Simonitsch: Industrieller Dreck fließt in einzige Trinkwasserquelle, Frankfurter Rundschau, 26. April 2003, S. 6.


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