
| Zum Kosovokrieg Diskussionsbasis für einen zweiten Linzer Appell für Friedenspolitik |
Zum
Inhalt von Kosovo |
| Über diesen Text |
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Der vorliegende Text versteht sich als Grundlage für eine breite Diskussion über die Konsequenzen aus dem Kosovokrieg und friedenspolitische Perspektiven für die Zukunft. Er wird Mitte Juni in einem Manifest zusammengefaßt, das per Inseratenkampagne österreichweit publiziert werden soll. Alle friedenspolitisch interessierten Organisationen, Einrichtungen, Personen und Gruppen sind aufgefordert, sich an dem Diskussionsprozeß und später an der Kampagne zu beteiligen. Das Manifest wird voraussichtlich Mitte Juni in einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung der "Friedensinitiative der Stadt Linz" vorgestellt, bei der auch die Inseratenkampagne eröffnet wird. Die Veranstaltung ist derzeit in Vorbereitung; genauere Informationen über: Friedensforschung Linz, Weißenwolffstr. 17a, A-4020 Linz, Tel./Fax 0043/732-771282. 1982 hat die Österreichische Friedensbewegung im "Linzer
Appell" zur Friedensgefährdung der 80er Jahre Stellung
genommen(1). Im und nach dem Kosovo-Krieg, dem ersten großen
zwischenstaatlichen Krieg in Europa seit 1945, ist es an der
Zeit, neu nachzudenken. |
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| Voraussehbarkeit des Krieges: Linzer Initiativen zum Kosovo |
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Seit 1991/92 war den Kennern der Balkansituation klar, welcher
Sprengstoff im Kosovo lagerte. Die "Friedensstadt Linz"
hat daher 1993 eine Delegation auf den Kosovo unterstützt.
Nach deren Rückkehr wurde in einer Artikelserie in den "OÖ.
Nachrichten"(3), in der OÖ Kirchenzeitung(4) und in
der Zeitschrift "Guernica"(5) der Friedenswerkstatt
Linz, ferner mit einem von Bürgermeister Dr. Franz Dobusch
unterzeichneten Brief an den österreichischen Außenminister,
in einem ausführlichen Reisebericht(6), in einer Ton-Diaschau(7)
und vielen Veranstaltungen deutlich gemacht: Es wird Krieg geben
im und um den Kosovo, wenn nicht rasch und entschieden etwas
gegen die serbische Repressionspolitik im Kosovo unternommen
wird. |
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| Vermeidbarkeit des Kriegs |
| Dieser Krieg wäre zu verhindern gewesen,
wenn wir, die europäische Öffentlichkeit, dem Problem
rechtzeitig die Aufmerksamkeit geschenkt hätten, die ihm
spätestens seit 1991 gebührte. Auch wenn es jetzt zu
spät ist: Im Hinblick auf mögliche ähnliche Situationen
der Zukunft ist es sinnvoll, sich Rechenschaft über die
Versäumnisse und nicht ergriffenen Möglichkeiten zu
geben. Was hätte den Krieg verhindern können? 1. Massive und direkte Unterstützung des gewaltfreien Widerstands der Kosovoalbaner: Die bewundernswerte Art und Weise, mit der die Kosovoalbaner nach 1989 - nachdem sie die von Tito zugestandene Autonomie verloren hatten -ihr eigenes Schulsystem, ihre eigene Krankenversorgung, ihre eigene Schattenregierung aufgebaut und bewahrt haben, hätte politisch honoriert werden müssen. Gewaltfreiheit, das haben die vielen Fälle in der Geschichte gelehrt, kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie genügend Resonanz und Unterstützung von außen findet. Wenn die europäische Politik sich die Zeit genommen und die Energie aufgebracht hätte, mehr als nur schulterklopfend mit dem Kosovo-Problem umzugehen, wenn sie den bewußt gewaltfreien Widerstand der Kosovoalbaner ernst genommen hätte, hätte es eine reelle Chance gegeben, den Widerstand gewaltfrei zu halten. Dann hätte es keine (mehr oder weniger willkommenen) Anlässe für militärische Unterdrückung, für Massenmord, Vergewaltigungen und Vertreibungen gegeben, die massiv erst mit dem militärischen Aufstand im März 1998 einsetzten. In Belgrad war laut Rundfunkberichten zu hören: "Warum sollen wir nicht ,unsere' Aufständischen bekämpfen dürfen, wenn die Türken mit ,ihren' Kurden, die Spanier mit ,ihren' Basken, die Franzosen mit ,ihren' Korsen so verfahren dürfen?" Erst mit dem militärisch gesehen verzweifelten und hoffnungslosen Aufstand der UCK begannen die über politische Repression hinausgehenden entsetzlichen Greuel (auch seitens der UCK), die die europäische Öffentlichkeit endlich aufschreckten und die letztlich zum Eingreifen führten. 2. Vorausschauender Mitteleinsatz statt Katastrophenhilfe: Schätzungsweise 5% der finanziellen Mittel, die Krieg, Flüchtlingshilfe und -rückführung, Wiederaufbau, Entminung usw. uns jetzt allen abverlangen werden, hätten vor dem Aufstand genügt, eine friedliche Lösung zu finden und abzusichern: Das Land hätte, wie die Linzer Initiative 1993 und erneut 1998 gefordert hat, vorübergehend eine internationale Polizeitruppe und eine internationale Gerichtsbarkeit bekommen. Die Serben hätten mit diesem Zugeständnis leben können, weil sie im Gegenzug a) eine tatkräftige wirtschaftliche Wiederaufbauhilfe für Gesamt-Jugoslawien, b) das Ende der Wirtschaftssanktionen und c) solide und international garantierte Minderheitenrechte für die Serben im Kosovo sowie freien Zugang zu den berühmten alten orthodoxen Klöstern erhalten hätten, Kernbestand der serbischen Kultur. Vielleicht wäre der Kosovo heute schon wieder autonom oder gar eine eigene Republik im jugoslawischen Staatsverband. 3. Öffentliches Engagement: Das Versäumnis der Politik hat aber seine Entsprechung im Versäumnis der Öffentlichkeit. Berufspolitiker sind vielfach überfordert und oft nur mehr dann in der Lage zu reagieren, wenn es "brennt" - oder wenn die Öffentlichkeit laut genug schreit. Hätten wir, die europäische Öffentlichkeit, in den Jahren 1992-1996 laut genug geschrieen, wären viele andere Städte und Gemeinden dem Linzer Beispiel gefolgt bzw. hätten wir mehr Energie darein gesetzt, diesen Weg für sie plausibel und attraktiv zu machen, so hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Regierungen andere Wege gefunden. 4. Medienintervention: Die schärfste Waffe von Unterdrückern ist nicht der Einsatz von Gewalt, sondern die Beherrschung und Gleichschaltung der Informationsmedien. Eine intensive und langjährige Information der serbischen Öffentlichkeit in serbischer Sprache mit allen zur Verfügung stehenden technischen und finanziellen Mitteln wäre daher ein äußerst wirksames Instrument einer gewaltfreien Intervention von außen gewesen: Unterstützung unabhängiger serbischer Zeitungen und Sender; Sendungen in serbischer und albanischer Sprache über Satellit und Mittelwelle rund um die Uhr und das Einschleusen entsprechender technischer Voraussetzungen für den Empfang. Ohne jede internationale Legitimation (dazu siehe unten) wäre eine intensive Information der im europäischen Ausland lebenden und arbeitenden Serben und Albaner möglich gewesen: Dialogveranstaltungen, Informationen, regelmäßige tägliche Rundfunk- und Fernsehsendungen in serbischer und albanischer Sprache, usw. Da die "Auslandsserben" und "Auslandskosovaren" enge Kontakte zu ihren Verwandten in der Heimat unterhalten, wäre dieser Weg naheliegend und auf Dauer nicht ohne erhebliche Wirkung gewesen. Allein in OÖ leben über 20.000 Serben, in Linz und Umgebung nach kosovoalbanischer Schätzung 4.500 - 5.000 Kosovoalbaner. 5. Konflikttrainings mit professioneller internationaler Unterstützung auf allen gesellschaftlichen Ebenen: Im Ausland, aber unter starkem europäischem Druck wahrscheinlich auch im jugoslawischen Inland wäre es möglich gewesen, eine große Zahl von Konflikttrainings auf jeder gesellschaftlichen Ebene durchzuführen - auch, aber nicht nur, mit den politisch Verantwortlichen beider Seiten -, vorbereitet und geleitet durch erfahrene, regierungsunabhängige Konfliktberater und -trainer der internationalen Szene, die in genügend großer Zahl zur Verfügung stehen.(10) In diesen Workshops hätte es (im Gegensatz zu 7, aktuelle Konfliktbearbeitung) vordergründig gar nicht um das Zusammenleben von Serben und Kosovoalbanern gehen müssen, das im Kosovo selbst, ohne die Instrumentalisierung durch die serbische Politik, nie besonders problematisch war. Vielmehr wäre es darum gegangen, die Bedeutung von ethno-nationaler Kultur und Geschichte, das Verhältnis von Identitätswahrung, Öffnung für fremde Einflüsse und Entwicklung, Grundfragen des Umgangs mit den eigenen und den Bedürfnissen von "Gegnern" usw. zu bearbeiten. Hinreichend häufig und finanziell unterstützt, hätten solche Trainings in den Jahren 1992 bis 1997 eine Chance gehabt, das allgemeine politische Klima in Serbien und auf dem Kosovo allmählich zu verwandeln und eine andere, friedensbereite Stimmung der Bevölkerung herbeizuführen. Dann wären vielleicht auch Lösungen in Sicht gekommen, die jetzt nicht mehr oder kaum noch denkbar sind. 6. Eine erheblich bessere Ausstattung der OSZE: Die zwei OSZE-Missionen im Kosovo waren in jeder Hinsicht unterausgestattet. Nur bei einer massiven Präsenz - das gilt für Konfliktbeobachtung genauso wie für Konfliktunterdrückung durch Militär - kann die erwünschte Wirkung erwartet werden. Außerdem waren die Verfahrensweisen bei der Information der europäischen Öffentlichkeit über Ergebnisse der Konfliktbeobachtung nicht hinreichend durchdacht. Vor einer öffentlichen Verurteilung einer Seite durch den Leiter der Mission müßten andere objektivierbare Schritte stehen. 7. Verstärkte Konfliktbearbeitungsangebote seitens der OSZE, also nicht nur Konfliktbeobachtung, Verhandlungen über Feuereinstellungen, Geiselfreigabe, usw. Im Gegensatz zu 5 (Konflikttrainings) wäre es dabei um aktuelle schwere Konfliktfälle gegangen. Eine solche Erweiterung des OSZE-Mandats hätte einen mindestens verzehnfachten Personaleinsatz der OSZE erfordert - und zwar schon mit Beginn der ersten Angriffe auf Polizeistationen im Jahre 1996. Gemessen an den Unsummen, die jetzt für die Luftangriffe, die Flüchtlingsversorgung und den Wiederaufbau aufgebracht werden müssen (in den USA werden Summen von über 150 Mrd. $ allein für den Wiederaufbau veranschlagt, die von Europa aufzubringen sind), wären die Kosten dafür geradezu lächerlich gering gewesen - von der Vermeidung des unendlichen Leids, das dieses Versäumnis über so viele Menschen, jetzt auch auf serbischer Seite, gebracht hat, ganz zu schweigen. 8. Überwachung der Ausfüllung ("Implementation") und Einhaltung bereits getroffener Abkommen durch die OSZE: Eine wichtige Aufgabe der OSZE wäre es gewesen, die Einhaltung der bereits getroffenen Abkommen zwischen der albanischen politischen Vertretung unter Leitung von Ibrahim Rugova und dem serbischen Staat zu überwachen, z.B. das von der internationalen katholischen Gemeinschaft Sant Egidio vermittelte, aber nie implementierte Abkommen von 1997 über die Reintegration des Schulwesens unter für die Kosovoalbaner annehmbaren Bedingungen. 9. Wirtschafts- und Finanzsanktionen: Wenn das Regime alle Maßnahmen dieser Art systematisch blockiert hätte, hätte es vor dem Greifen zu militärischen Maßnahmen immer noch die Möglichkeit gegeben, die Sanktionen, unter denen Jugoslawien nachweislich ohnehin schon schwer gelitten hatte, nach Vorankündigung noch einmal massiv zu verstärken. Dazu hätte z.B. ein striktes Öl-Embargo, eine rigorose Kreditsperre und die Sperrung sämtlicher Auslandskonten staatlicher Firmen und des Regimes, seiner Prominenz und ihrer Strohmänner gehört (siehe unten). |
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| Lehren aus dem Krieg |
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1. Der Krieg beginnt schon mit dem Ultimatum und der Forderung
nach bedingungsloser Unterwerfung: Ein Ultimatum zwingt denjenigen,
der es in der Hoffnung ausspricht, dadurch das Unheil abzuwenden,
das Angedrohte irgendwann doch tun zu müssen. Die Fatalität
einer solchen Selbstfesselung hat sich schon im Golfkrieg 1991
und jetzt noch viel schlimmer in Jugoslawien gezeigt. Wer praktisch
von vornherein "unconditional surrender", die bedingungslose
Kapitulation fordert - in Rambouillet sollte die jugoslawische
Delegation der völligen Bewegungsfreiheit der NATO und Abtretung
weiterer Souveränitätsrechte in ganz Jugoslawien und
nicht nur im Kosovo zustimmen (Appendix B)(11) - der soll nicht
von Verhandeln reden. Wenn man in Verhandlungen etwas erreichen
will, braucht man ganz andere Bedingungen und Vorgehensweisen.
Vorbildlich waren und sind die Osloer Verhandlungen zum israelisch-palästinensischen
Frieden, auch wenn die Ergebnisse infolge des Wahlausgangs in
Israel später torpediert worden sind.
die Erfahrung, daß es letztlich die US-amerikanische
Öffentlichkeit war, die ihre Regierung Anfang der 70er Jahre
gezwungen hat, den verlustreichen Vietnamkrieg zu beenden und
die Hoffnung, dies werde sich im Fall eines längeren Widerstands
gegen die NATO im Jugoslawienkrieg wiederholen, usw.. |
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| Beurteilung der NATO-Intervention |
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1. Völkerrechtsbruch: Die Intervention ist ein
Angriffskrieg und damit eindeutig völkerrechtswidrig.(14)
Und sie hat das über 50 Jahre geltende Statut der NATO verletzt,
nur im Verteidigungsfall tätig zu werden. Beides ist ein
bses Omen für die Zukunft: Wer auf der zwischenstaatlichen
Ebene das Faustrecht wieder einführt, braucht sich nicht
zu wundern, wenn er es auf anderen Ebenen selbst zu spüren
bekommt. Wie kann man 1991 einen Großkrieg führen,
um dem Völkerrecht wieder Geltung zu verschaffen, und acht
Jahre später selbst das Völkerrecht brechen, wenn die
Machtverhältnisse es gerade erlauben (derzeitige Schwäche
und ökonomische Abhängigkeit der Nachfolgestaaten der
Sowjetunion)? Das heißt nicht, daß massive Menschenrechtsverletzungen
die Völkergemeinschaft nicht zu beschäftigen hätten,
ganz im Gegenteil - aber nicht, indem die eine Rechtssphäre
gegen die andere ausgespielt wird. Wir brauchen einen achtsamen
Umgang mit den Menschenrechten und mit dem Völkerrecht. |
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| Schritte zur Beendigung des Krieges |
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Keine Möglichkeit zur Kriegsbeendigung ungeprüft
lassen: Das Morden muß aufhören, besser heute
als morgen. Jeder Weg, der die baldige Rückkehr der Flüchtlinge
in Freiheit und Sicherheit und den Beginn des Wiederaufbaus ermöglichen
könnte, muß erprobt werden. Wenn dieses Ziel ohne
NATO-Truppen im Kosovo schneller erreicht werden kann, dann sollte
man auf sie verzichten - nicht nur die NATO kann für Recht
und Ordnung sorgen und Schutz vor marodierenden Banden, paramilitärischen
Trupps und Grenzübergriffen bieten. Es gibt genügend
Armeen in Europa, die dieser Aufgabe gewachsen und für die
Serben leichter zu akzeptieren sind als Besatzungstruppen des
Feindes Nr. 1 (auch diese Feindschaft ist sehr viel älter
als der Krieg!).
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| Für eine friedlichere Zukunft der Welt |
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Weiterentwicklung des Interventionsrechts in dramatischen
Fällen von Menschenrechtsverletzungen
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| Zusammenfassung |
| Wenn wir mit Hoffnung in das 21. Jhdt. gehen
wollen, müssen aus dem letzten großen Krieg dieses
furchtbaren 20. Jahrhunderts die Konsequenzen schnell und mit
aller Kraft gezogen werden: Stärkung der Friedensinstrumente, Erstellung eines rechtlichen Rahmens für die Einschränkung der staatlichen Souveränität im Fall schwerer Menschenrechtsverletzungen, vorausschauende Ausbildung von Konfliktbearbeitern und Konfliktbeobachtern, weltweite Einrichtung von Frühwarnsystemen. Wer den Frieden will, muß die UNO der Zukunft stärken! |
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| Anmerkungen |
| 1 Der Anlaß war damals die geplante, später
trotz der zahlreichen Proteste ausgeführte und dann nach
dem INF-Vertrag von 1987 rückgängig gemachte Stationierung
neuartiger Mittelstreckenraketen in Westeuropa, deren extrem
kurze Vorwarnzeiten im Falle eines Einsatzes keinerlei Spielraum
für die Aufklärung eventueller Fehler, Mißverständnisse
usw. mehr ließen. Vgl. Andreas Maislinger, Friedensbewegung
in einem neutralen Land. Zur neuen Friedensbewegung in Österreich,
in: R. Steinweg (Red.), Friedensanalysen 18 (Schwerpunktthema:
Medienmacht im Nord-Süd-Konflikt), Frankfurt/M. (Suhrkamp)
1984, S. S. 392-415, hier S. 403. 2 Siehe dazu sehr fundiert und gleichzeitig gut lesbar: Wolfgang Libal / Christine v. Kohl, Kosovo: gordischer Knoten des Balkan, Wien / Zürich 1992. (Die Autoren waren mehr als anderthalb Jahrzehnte Korrespondenten verschiedener europäischer Zeitungen in Serbien.) 3 verfaßt vom Delegationsmitglied und Redakteur der OÖ. Nachrichten Erhard Gstöttner. 4 verfaßt vom Delegationsmitglied und Redakteur der OÖ. Kirchenzeitung Martin Kranzl-Greinecker 5 verfaßt vom Delegationsmitglied Pfarrer Franz Luger, in: Guernica 3/93 und 1/94 6 Eindrücke vom Kosovo-Konflikt. Bericht einer Delegation aus der Friedensstadt Linz im Herbst 1993, aufgenommen und redigiert von Reiner Steinweg. (Text über: Friedensforschung Linz / Außenstelle des Öster. Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung), Weißenwolffstr. 17a, 4020 Linz); vgl. auch R. Steinweg, Linz - A City in the Neighbourhood of War. Projects and Experiences, in: Christian Wellmann (ed.), From Town to Town. Local Authorities as Transnational, Kieler Schriften zur Friedenswissenschaft Bd 8 / Kiel Peace Research Series Vol 8 (SCHIFF Schleswig-Holsteinisches Institut für Friedenswissenschaften an der Christian Albrechts Universität Kiel), 1998, S. 227-251 7 In Absprache mit der Delegation verfaßt vom Delegationsmitglied Peter Witz, ausleihbar beim Kulturamt der Stadt Linz. 8 Vgl. OÖ. Kirchenzeitung vom 9.7.1998. Der Text kann angefordert werden bei: Friedensforschung Linz, Weißenwolffstr. 17a, A-4020 Linz, Tel./Fax 0043/732-771282. 9 Vgl. Klaus Jürgen Gantzel, Tolstoi statt Clausewitz!? Überlegungen zum Verhältnis von Staat und Krieg seit 1816 mittels statistischer Beobachtungen, in: R. Steinweg (Red.), Kriegsursachen, Frankfurt/M. 1987, S. 25-97 10 Es hat in diesen Jahren schon Bemühungen in diese Richtung gegeben: So hat zum Beispiel das Balkan Peace Team seit 1995 den Dialog zwischen Kosovo-Serben und Kosovo-Albanern gefördert und versucht, auf lokaler Ebene Feindbilder abzubauen und gewaltfreie Konfliktlösungen zu propagieren. Die Nansen-Gruppe, eine norwegische NGO, hat mehrmals Kosovo-Albaner und Kosovo-Serben zu mehrwöchigen Konflikttrainings in Lillehammer eingeladen. Die Pax Christi-Sektionen von Holland und Belgien haben eine Reihe von Dialogveranstaltungen zwischen jungen Kosovo-Albanern und jungen Serben von Kosovo und Belgrad, manchmal auch mit Beteiligung von Jugendlichen aus Nordirland, abgehalten. Auch lokale NGO´s wie die Post Pessimists haben bis 1998 einen intensiven Dialog zwischen serbischen und albanischen Studierenden in Pristina gepflegt. - Für eine tatsächliche Veränderung der Atmosphäre wären aber öffentliche Unterstützung in großem Umfang und das Praktizieren jener Ansätze auf breiter Basis vonnöten gewesen. 11 Der "Appendix B" zu dem Text, den die Delegationen in Rambouillet unterschreiben sollten, wurde am 16.4.1999 auf der "Dokumentationsseite" der Frankfurter Rundschau veröffentlicht. Angeblich war dieser Textteil in Rambouillet noch nicht Verhandlungsgegenstand (Joschka Fischer); aber wenn die jugoslawische Delegation von diesem Text auch nur inoffiziell Kenntnis hatte, ist ihre negative Haltung nachvollziehbar. Ein ungenannter Kommentator aus dem Institute for Global Futures Research (IGFR), Australien, schätzt das Angebot der NATO in Rambouillet wie folgt ein: "The Rambouillet offer was highly inflexible, and appears to be either an embarrassing lapse in judgement, or an offer designed to be refused." (Global Futures Bulletin 1, May, 1999, ISSN 1328-5157, P.O. Box 263E, Earlville, QLD 4870, Australia. 12 Christian Wehrschütz, Wehrexperte und Mitglied des Internationalen Instituts für Strategische Studien, London, hat errechnet, daß Jugoslawien bis August 1999 über hinreichende Energiereserven verfügt, um militärischen Widerstand leisten zu können, in: Der Standard, 6.5.1999, S. 8. 13 Kurier, 9. Mai 1999, S. 5 14 Vgl. Manfred Rotter, Verhandeln, bevor alles außer Kontrolle gerät, OÖ Nachrichten, 20.4.1999; ähnlich, mit bedenkenswerten zusätzlichen Argumenten der ebenfalls in Linz tätige Völkerrechtler Franz Leidenmühler: Die UNO, die NATO und die Tragödie im Kosovo - Kollektive Sicherheit am Ende?, in: cogito - Zeitschrift für linke Hochschul- und Gesellschaftspolitik; Sondernummer 7a/1999. Rotter hatte kurz vor dem Krieg bereits alternative Vorschläge unterbreitet: Manfred Rotter, Kosovo: Völkerrechtsexperte warnt vor NATO-Militärschlag. Wider die politische Vernunft, Der Standard, 22.3.1999. 15 Vgl. den Versöhnungsappell serbischer Oppositionsgruppen, veröffentlicht in der taz ("Die Tageszeitung") vom 7. Mai 1999, Tagesthema S. 4 (siehe Anhang). 16 Vgl. dazu die umfassende Darstellung durch Berth Theuermann, Friedenskonsolidierung, in Cede/Sucharina-Behrmann (Hrsg.), Die Vereinten Nationen. Wien 1999, S. 101-116. 17 Ein Vorstoß der Friedensstadt Linz im Jahr 1996, gemeinsam mit anderen österreichischen Städten ein solches Konflikttrainingsprogramm in Bosnien-Herzegowina als Langzeiteinrichtung auf den Weg zu bringen, ist leider an mangelnder Resonanz und Unterstützung aus anderen Städten gescheitert; siehe die Beschreibung des Projekts in dem Aufsatz von R. Steinweg, Fußnote 5. 18 Bisher kann nur der Sicherheitsrat solche Entscheidungen treffen. Es ist anzunehmen, daß die Regionalorganisationen in bezug auf Fälle, die in ihre Zuständigkeit fallen, flexibler reagieren knnen als der Sicherheitsrat. 19 Das gilt nur für Fälle, die ab Inkrafttreten des Statuts von Rom auftreten (könnten). |
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