Grundwissen zivile Konfliktbearbeitung



Dimensionen und Prinzipien ziviler Konfliktbearbeitung im internationalen Bereich Zum Inhalt von:
Grundwissen zivile
Konfliktbearbeitung

Ziele und Maßnahmen ziviler Konfliktbearbeitung

Zielsetzung: Gewaltprävention

Maßnahmen

  • Aufbau von Frühwarnsystemen
  • Verstärkung der präventiven Diplomatie
  • Verstärkung der Entwicklungszusammenarbeit
  • Hilfe beim Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen
  • Förderung der Zivilgesellschaft

Zielsetzung: Konfliktbearbeitung / Konfliktschlichtung

Maßnahmen

  • Friedensdienste und -missionen
  • Vermittlung zwischen Konfliktparteien
  • Unterwerfung unter eine schiedsgerichtliche Regelung
  • Verhängung von Sanktionen
  • Schaffung internationaler Öffentlichkeit
  • Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge und Deserteure
  • Humanitäre Hilfe 

Zielsetzung: Konfliktnachsorge

Maßnahmen

  • Beseitigung von Kriegsfolgen
  • Überwindung von Feindbilder
  • Friedenserziehung
  • Verständigung- und Versöhnungsarbeit
  • Transnationale Vernetzung
  • Etablierung internationaler Regimes ("Verrechtlichung")

Prinzipien ziviler Konfliktbearbeitung (1) Seitenanfang

1. Interessen: Versuche Interessen zu erkennen und begnüge Dich nicht mit offiziellen Erklärungen!

2. Menschen: Unterscheide zwischen den Menschen und dem Problem!

3. Optionen: Überlege Dir viele Handlungsmöglichkeiten, bevor Du Dich entscheidest, was zu tun ist. Durchdenke nicht nur Deinen Schritt, sondern eine Reihe von möglichen Schritten und Gegenbewegungen!

4. Kriterien: Achte darauf, daß das Ergebnis allgemein verbindlichen Kriterien genügt!

5. Wahrheit: Es gibt mehrere Wahrheiten: Deine, ihre und vielleicht eine weitergehende.

6. Mittel: Beachte die Einheit von Mittel und Ziel!

7. Prämissen: Halte Dich an Prinzipien und baue darauf Deine eigene Strategie auf. Verfolge nur solche Ziele, die sowohl für Dich wie für die andere Seite gut sind, auch wenn die andere Seite sich nicht entsprechend verhält!

8: Macht: Macht ist die Fähigkeit, die eigenen Ziele zu erreichen, nicht andere zu bestrafen!

Marta Henricson-Cullberg u.a.: After Jugoslavia what? Report by a Conflict-Mitigation Mission O.O., 1991.

Prinzipien ziviler Konfliktbearbeitung (2) Seitenanfang

1. Suche nach Lösungen, die allen Parteien einen Vorteil bringen.

2. Suche nach Lösungen, die sicherstellen, daß keine Partei ihr Gesicht verliert.

3. Trenne persönliche von sachlichen Problemen.

4. Überzeuge Deinen Gegner vom Vorteil einer Lösung und von dem Schaden, der mit einer anderen Verhandlungslösung verbunden sein kann.

5. Suche bei festgefahrenen Verhandlungen nach informellen Gesprächen.

6. Suche bei komplexen Entscheidungsmaterien diejenigen aus, die am ehesten die Zustimmung erhalten und damit einer Lösung zugeführt werden können.

7. Sind mehrere Güter gleichzeitig strittig, versuche ein Gut mit einem anderen aufzurechnen (Paketlösung).

Frank R. Pfetsch: Konflikt und Konfliktbewältigung. Beispiele für Formen zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen. Stuttgart 1994, S. 2.

Vorbeugung, Schlichtung, Überwindung Seitenanfang

"Das Ziel ziviler Konfliktbearbeitung ist nicht Sieg und Niederlage der anderen Seite. Es läßt sich vielleicht beschreiben als Verführung zur Gewaltfreiheit, zu mehr Gerechtigkeit, zu Versöhnungs- und Kooperationsbereitschaft, durch die Feindbilder und erstarrte Denkfiguren überwunden werden können. Die Bereiche, in denen zivile Konfliktbearbeitung sich abspielt, lassen sich in den der Konfliktbearbeitung, den der Schlichtung schon ausgebrochener Konflikte und den der Nachsorge unterteilen.

Der Vorbeugung kommt eine besonders große Verantwortung zu, sind doch in aller Regel gesellschaftliche und zwischenmenschliche Konflikte langfristig angelegt und deshalb bei genauer Beobachtung frühzeitig zu erkennen, ehe sie eine Eigendynamik bekommen haben, die über die ursprünglichen Anlässe oftmals weit hinaustreibt. Vorbeugend heißt dementsprechend, rechtzeitig vermittelnd einzugreifen, alternative Wege des zivilen Konfliktaustrags anzubieten und Lösungsperspektiven aufzuzeigen.

Die Konfliktschlichtung, die gegenwärtig in Jugoslawien mit wenig Konsistenz und Vorüberlegung versucht wird, wurde erst aufgrund einer fehlenden vorbeugenden Konfliktbearbeitung notwendig. Bei der Konfliktschlichtung sind Instrumente anzuwenden, die auf Zwänge (Embargo), Androhung politischer Folgen, Elemente ziviler Intervention (Öffentlichkeitsintervention), aber auch auf ,verlockende' Angebote perspektivreicher Hilfen nicht verzichten können. Konfliktschlichtung soll darauf abzielen, eine politisch-gesellschaftliche Resozialisation z.B. nationalistisch verhetzter Gesellschaften zu erreichen, also eine Rückkehr zum zivilen Umgang der Gesellschaften in ihren inneren Verhältnissen oder im Konfliktaustrag nach außen.

Das Interesse der Weltöffentlichkeit geht schnell verloren, sobald Schießen, Morden und Vergewaltigungen enden. Im Konfliktgebiet selbst sind damit aber bei weitem noch nicht ,normale' Verhältnisse eingekehrt. Die oben genannte politisch-gesellschaftliche Resozialisation, sowie die Überwindung der materiellen und sozialen Folgen stehen noch an. Feindschaften und Feindbilder sind zu überwinden, damit Zusammenarbeit möglich und Versöhnung zu einer Perspektive werden. Das dritte große Arbeitsgebiet der Konfliktnachsorge muß hier einsetzen."

Andreas Buro: Weichenstellung zu ziviler Konfliktbearbeitung in Europa. In: Wolfgang Vogt (Hrsg.): Frieden als Zivilisierungsprojekt. Baden-Baden 1995, S. 74.

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