Globales Lernen



Probleme und Anfragen

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Globales Lernen

Die Theorie- und Praxisentwürfe über Globales Lernen stehen bislang weitgehend unvermittelt nebeneinander. Sie beinhalten viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede. Eine Diskussion dieser Ansätze hat gerade erst begonnen. Nachfragen und Klärungen zu einer Weiterentwicklung und Schärfung des Konzeptes erscheinen manchen notwendig und unentbehrlich. Andere aber wehren sich gegen eine zu frühzeitige Festlegung in Begriffskategorien und empfinden "Globales Lernen" als einen Suchbegriff.

Die konzeptionellen Überlegungen zu einem Globalen Lernen werfen eine Reihe prinzipieller Fragen auf:

So ist die Gefahr einer neuen Etikettierung alter Praxis nicht zu verkennen. Dies macht sich besonders dort bemerkbar, wo im Zuge eines (vermeintlichen) Trends oder Zeitgeistes bisherige Praxis, Ausarbeitungen oder Reflexionen, vor allem im Bereich entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, nun mit dem Begriff des Globalen Lernens belegt werden.

Da Bildungsansätze prinzipiell einer langfristigen Orientierung bedürfen, ist die Anfrage, ob angesichts des raschen Wandels und der Schnelligkeit mit der sich Problemlagen zuspitzen, überhaupt ausreichend Zeit für solche Bildungsprogramme zur Verfügung steht, äußerst ernst zu nehmen.

Eine dritte Anfrage bezieht sich auf die Ernsthaftigkeit der Forderungen. So hat die Hervorhebung der Bedeutung von Bildung und Erziehung durch Politik und Wissenschaft bei der Bewältigung globaler Probleme so lange nur Symbol- und Legitimationscharakter, als keine ernsthaften Bemühungen zu erkennen sind, zukunftsorientierte Lernprozesse auf allen bildungs-(politischen) Ebenen zu initiieren und zu fördern.

Zentral scheint auch zu sein, daß einschneidende und tiefgreifende Bildungsprozesse, wenn sie nicht in gesellschaftlichen Nischen verbleiben sollen, immer einer Flankierung durch eindeutige politische Signale und Umorientierungen bedürfen. Diese Umorientierungen sind bislang nicht festzustellen. Wohl aber ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, daß zukunftsorientierte politische Bildung (und als solche ist auch die Konzeption des Globalen Lernens zu verstehen) ständig damit zu rechnen hat, politisch vereinnahmt und instrumentalisiert zu werden. Damit würden jedoch sämtliche Chancen eines Globalen Lernens zunichte gemacht.

 

Anfragen

  • Wie wird die Notwendigkeit eines Globalen Lernens begründet?
  • Welche Annahmen über Lernen kommen in dem Konzept zum Ausdruck?
  • Werden die Grundannahmen ausgewiesen oder einfach vorausgesetzt?
  • Welches Menschenbild ist dem Konzept immanent?
  • Wie wird die europäische, wie die außereuropäische Kultur beschrieben?
  • Welche Rollen spielen die Bereiche Kultur, Religion, Ökologie, Ökonomie, Gewalt, Konflikt?
  • Wie wird das Spannungsverhältnis lokal-global gesehen?
  • Welche Ansätze lokalen Handelns und welche globalen Handelns werden forrmuliert?
  • Welche Rolle spielt Politik (Macht und Herrschaft) in dem Ansatz?
  • Wie legitimiert sich Globales Lernen in Abgrenzung (Weiterentwicklung) von Menschenrechtserziehung, Umweltbildung, entwicklungspolitischer Bildungsarbeit oder Friedenserziehung?
  • Worin liegt das spezifisch Neue des Globalen Lernens?
  • Könnten die gleichen Ansätze, die unter Globalem Lernen formuliert werden, auch unter dem Begriff "Entwicklungspolitische Bildungsarbeit" durchgeführt werden?
  • Auf welche Weltbilder stützen sich die Konzeptionen Globalen Lernens?
  • Welche Akteure sind genannt, die ein Globales Lernen ermöglichen sollen?
  • Wie werden die Grenzen Globalen Lernen beschrieben?
  • Welche konkreten Umsetzungsstrategien sind ausgearbeitet? Gibt es Praxiserfahrungen mit dem Konzept?
  • Welche Anforderungen werden an Unterrichtsmaterialien gestellt?

 

Schulprojektstelle Globales Lernen (Hrsg.): Global Lernen, 3/1996, S. 10

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