Globales Lernen



Ziele und Inhalte einer zukunftsorientierten politischen Didaktik

Zum Inhalt von:
Globales Lernen

  • Eine zukunftsorientierte politische Didaktik wird danach auf folgende Fragen eine Antwort suchen müssen:
  • Welches sind überhaupt die möglichen und wünschbaren Zukünfte, auf die hin Zukunftsvisionen und -utopien entwickelt werden können?
  • Welches ist die Spannbreite alternativer Entwicklungspfade?
  • Welche Gefahren und Hindernisse, aber auch Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten sind denkbar, wahrscheinlich, wünschenswert?
  • Wie kann ein gesellschaftlicher Konsens über notwendige Wege aus der Gefahr und erwünschter Schritte in eine neue Zukunft hergestellt werden?
  • An welchen Leitideen und Prinzipien soll sich eine solche "Zukunftspolitik" orientieren? Welche gesellschaftlichen Strukturen, individuellen Bewußtseinsformen und Wertvorstellungen sind die Voraussetzungen für eine prinzipielle Umorientierung in Wissenschaft und Forschung, Schule und Bildung sowie Gesellschaft und Politik?

 

Das zukunftsrelevante Wissen kann danach zusammenfassen und in einer ersten Annäherung wie folgt charakterisiert werden:

  • Zukunftswissen ist Überlebenswissen, d.h. es werden die Inhalte und Verfahren relevant, die einen Beitrag zur globalen und langfristigen Existenzsicherung von Menschen und Natur zu leisten vermögen.
  • Zukunftswissen ist Risikowissen, d.h. es werden die Inhalte und Verfahren relevant, die die Ausbildung von Wahrnehmungsorganen für viele unsichtbare und schleichende, aber bereits jetzt oder später wirksame Risikofaktoren unserer ökonomisch-technischen Zivilisation ermöglichen, die sich oft dann, wenn ihre verheerenden Folgen sichtbar werden, als irreversibel erweisen.
  • Zukunftswissen ist ganzheitliches (holistisches) Wissen, d.h. es werden die Inhalte und Verfahren relevant, die ganzheitliches, grenzüberschreitendes und perspektiveisches, kurz, globales und generationsüberschreitendes Denken in komplexen Zusammenhängen ermöglichen.
  • Zukunftswissen ist normatives Wissen, d.h. es werden die Inhalte und Verfahren relevant, die einen ethischen Diskurs über human-, umwelt-, und sozialverträgliche Fortschrittsperspektiven der Gesellschaft und der Menschheit und eine ratioanle, demokratische Konsensbildung ermöglichen.
  • Zukunftswissen ist politisches Wissen, d.h. es werden die Inhalte und Verfahren relevant, die auf allen Ebenen des politischen Handelns (Individuum, Gruppen, Staat und internationale Völkergemeinschaft) einen Beitrag zur Zukunftssicherung und Zukunftsgestaltung und damit zum Überleben der Gattung Mensch und des Planeten Erde leisten können.

 

Was die Ziel- und Inhaltsstruktur einer politischen Zukunftsdidaktik anbelangt, so kann diese nach einem vierteiligen Sequenzmuster ausgelegt werden, das aus der nachstehenden Leitqualifikation entwickelt wurde.

 

Leitqualifikation für eine zukunftsorientierte politische Bildung

Fähigkeit und Bereitschaft

  • die globale Dimension der Gefährdung der menschlichen Gattung zu erkennen,
  • die Signaturen der Risikogesellschaft zu beschreiben,
  • die zukunftsbedrohenden Risikofaktoren zu analysieren und
  • politische Phantasie und Gestaltungskompetenz zur Entwicklung umwelt- und sozialverträglicher Zukunftsperspektiven für das Überleben von Mensch und Natur zu entfalten.

 

Peter Weinbrenner: Zukunftsorientierung. In: Wolfgang Sander (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. Schwalbach 1997, S. 131 ff., Auszug.

Seitenanfang


© Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.
Corrensstr.12, D-72076 Tübingen,
Tel.: 07071/920510, Fax: 07071/9205111
E-Mail: kontakt@friedenspaedagogik.de
http://www.friedenspaedagogik.de