Globales Lernen



Krieg, Terrorismus und Schule

Uli Jäger

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Globales Lernen

Warum Krieg? Die anhaltende Bereitschaft, Konflikte mit Gewalt, Terror und Krieg lösen zu wollen, muss im Rahmen des globalen Lernens kritisch beleuchtet werden. Dazu gehört die thematische Beschäftigung mit den vielschichtigen und häufig tief in der Geschichte verwurzelten Ursachen von Krieg und Terrorismus genauso wie die Suche nach den Motiven und Interessen der verantwortlichen Regierungen, Gruppen oder Einzelpersonen, die sich für gewaltsame Wege entschieden haben. Nachdrücklich wird durch die neuen Kriege dieses Jahrhunderts die Frage nach der globalen Mitverantwortung und der Verflochtenheit aller Staaten und der Gesellschaften in das Konfliktgeschehen gestellt.

Die Kriege der Vergangenheit, der Gegenwart und die der Zukunft werfen für das Zusammenleben der Menschen in der Einen Welt existenzielle Fragen auf: Wer bestimmt über Krieg und Frieden? Wie werden Terrorismus und Krieg, Gewalt und Gegen-Gewalt legitimiert? Lässt sich Gewalt überhaupt rechtfertigen und gibt es gerechte Kriege? Wie lassen sich Wahrheiten und Manipulationen zum Beispiel bei der Kriegsberichterstattung erkennen? Welche Entscheidungskriterien gelten für Situationen, bei denen die Folgen für die betroffenen Menschen nicht eindeutig vorhersehbar sind? Wie viel ist dabei ein Menschenleben wert? Was bedeuten Sicherheit und Wohlstand, wenn sie auf Kosten anderer gehen? Schließlich: Welche Alternativen zu Gewalt und Krieg gibt es?

Diese und andere Fragen beschäftigen nicht nur Erwachsene, sondern gerade auch Kinder und Jugendliche, wenn sie zu Zeugen von Terror, Gewalt und Kriegsvorbereitung werden. Wenn sich Angst und Unsicherheit breit macht, geht es um Orientierungshilfen, um die kritische Vermittlung von Vertrauen, von Geborgenheit und von Perspektiven und Visionen. Schule muss sich heute dieser Herausforderung mehr als jemals zuvor stellen. Wegschauen, Verdrängen und Übergehen sind keine angemessenen Umgangsformen und werden den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen in Krisenzeiten nicht gerecht. In der gezielten, gemeinsamen Suche nach unterschiedlichen Erklärungen und Antworten auf diese Überlebensfragen und nach Formen und Möglichkeiten gemeinschaftlichen Verarbeitens und Handelns steckt auch eine große Chance für die Schule als Lernort.

Politische Bildung sollte zu einem "Möglichkeitsdenken beitragen, das zivile Wege aus der Verstrickung in terroristische Gewalt und Krieg eröffnet", sagt Sozialwissenschaftler Roland Roth. Schule und globales Lernen müssen mit dazu beitragen, den Blick für konstruktive Formen der Konfliktbearbeitung zu öffnen - zwischen allen Beteiligten, im Nahbereich und "weit hinten in der Türkei" (Goethe).

Uli Jäger, Forumsbeitrag vom 13.02.2003 für den Kongress "Globales Lernen" in Baden-Württemberg,

Quelle: http://www.kreidestriche.de/onmerz/forum/forum.pl?action=show_detail&forumname=glernen&forumid=2
www.kreidestriche.de wurde im Dezember 2003 vom Netz genommen.



 


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