
Lexikalisches Stichwort "Globales Lernen"Susanne Lin |
Zum
Inhalt von: Globales Lernen |
| Globales Lernen bezeichnet seit Ende der 80er
Jahre ein neues, offenes, vorläufiges Konzept allgemeiner
und politischer Bildung. Globales Lernen will eine erweiterte
und übergreifende Bildungsperspektive angesichts von Problemen
und Chancen der Globalisierung vermitteln. Globales Lernen problematisiert,
was und wie wir zukünftig lernen sollen, um in der zusammenwachsenden
Weltgesellschaft Orientierung gewinnen, Handlungskompetenz erwerben
und Verantwortung wahrnehmen zu können. Globales Lernen
nimmt zur Herausarbeitung gemeinsam zu lösender Aufgaben
aus der Dritte-Welt bzw. entwicklungspolitischen, Umwelt-, Friedens-,
Menschenrechts- und interkulturellen Erziehung Impulse auf und
stellt deren Zusammenhänge, Überschneidungen und gemeinsamen
Grundsätze unter die inhaltlichen Zielperspektiven Zukunftsfähigkeit
und nachhaltige Entwicklung. Kritisch zu fragen ist, inwieweit
die bisherige Praxis entwicklungspolitischer Bildung im Globalen
Lernen nicht lediglich einen neuen Namen bekommt. UNESCO und
UNICEF arbeiten bereits seit Jahren mit Konzepten zum Globalen
Lernen unter dem Begriff "development education". -
Pädagogische Ziele des Globalen Lernens sind in Anlehnung an den Klafkischen Bildungsbegriff emanzipatorisch verstandene Kompetenzen mündiger WeltbürgerInnen mit der besonderen Betonung einer Handlungsfähigkeit gegenüber globalen und generationenübergreifenden Umwelt- und Entwicklungsproblemen in der Einen Welt. Angestrebt wird die Erweiterung des eigenen Bildungshorizonts angesichts globaler Zusammenhänge, die Reflexion der eigenen Identität im Zusammenhang mit der Fähigkeit, die Welt aus der Sicht anderer zu betrachten, das Überdenken des eigenen Lebensstils im Hinblick auf die globalen sozialen und ökologischen Folgen sowie die Förderung der Fähigkeit, auf der Basis regionalen Handelns auch auf die Bewältigung globaler Herausforderungen Einfluss zu nehmen. Didaktisch geht Globales Lernen von der thematischen Behandlung von Schlüsselproblemen aus (vgl. Schlüsselprobleme bei Klafki, u.a. Friedensfrage, Sinn und Problematik des Nationalitätenprinzips/Kulturspezifik und Interkulturalität, ökologische Frage, Wachstum der Weltbevölkerung, gesellschaftlich produzierte Ungleichheit). Globales Lernen favorisiert erfahrungs- und prozessorientierte, ganzheitliche, kreative, aktive, kooperative, partizipatorische, handlungsorientierte Lehr/Lernmethoden mit ideologiekritischer Zielorientierung. - Die didaktisch weiteste Entwicklung von Globalem Lernen findet sich beim schweizer Forum "Schule für Eine Welt". Das Forum sieht die Aufgabe Globalen Lernens darin, die "Frage der eigenen Identität" zu bearbeiten und einen "Beitrag zur Bewältigung globaler Probleme" zu leisten. Der Globalitätsbegriff wird bezogen auf die Ganzheitlichkeit der Person und den weltweiten Horizont: "Unter Globalem Lernen versteht das Forum die Vermittlung einer globalen Perspektive auf allen Stufen der Bildungsarbeit. Die Fähigkeit, Sachlagen und Probleme in einem weltweiten und ganzheitlichen Zusammenhang zu sehen, bezieht sich nicht auf einzelne Themenbereiche. Sie ist vielmehr eine Perspektive des Denkens, Urteilens, Fühlens und Handelns, eine Beschreibung wichtiger sozialer Fähigkeiten für die Zukunft." (Forum 1996, 19). Literatur: Bühler, H. (1996): Perspektivenwechsel?: unterwegs zu "Globlem Lernen", Ffm; Forum Schule für Eine Welt (1996): Globales Lernen, Jona; Schulprojektstelle Globales Lernen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Pädagogik und Brot für die Welt: Globales Lernen (1996), in: Globales Lernen, Service für Lehrerinnen und Lehrer, 2. Jg., Nr. 3. Susanne Lin 1999, Stichwort "Globales Lernen" in: Handwörterbuch Umweltbildung, hrsg. v. Oskar Brilling/Eduard W. Kleber. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren., 130/131. |
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