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Der Begriff der Risikofaktoren kann in diesem Zusammenhang sehr leicht mißverstanden werden. Es soll hier nicht ausgedrückt werden, dass es zu Gewalt gegen Mädchen und Jungen kommen muss, wenn bestimmte Faktoren vorhanden sind. Der Begriff Risikofaktor verdeutlicht, dass die Wahrscheinlichkeit der Kindesmißhandlung größer ist, wenn mehrere Faktoren zusammen vorliegen. Dies birgt jedoch auch die Gefahr, dass Vorurteile geschürt werden und damit der Blick der helfenden Person eingeengt wird. Darum wurde der Begriff des Belastungsfaktors gewählt, der nicht automatisch zum Risikofaktor werden muss.
Wenn der Arzt / die Ärztin sich dieser Gefahr bewußt sind, kann das Wissen über Belastungsfaktoren als wertvolles Werkzeug sowohl in der Prävention als auch in der Früherkennung von Kindesmißhandlung eingesetzt werden. Wann Belastungsfaktoren zu Risikofaktoren werden, ergibt sich aus der individuellen Situation des Kindes in seinem sozialen Umfeld. Es darf allerdings nie vergessen werden, dass alle Kinder von Gewalt betroffen sein können.
Heutige Erklärungsansätze gehen davon aus, dass weder genetische Vorgaben noch sozioökonomische Bedingungen allein das Zustandekommen von Mißhandlungen erklären. Gewalt ist eher ein Ausdruck von Benachteiligung, Hilflosigkeit und Unfähigkeit, mit den Bedürfnissen des Kindes angemessen umzugehen. Wenn der Druck und die Belastungen von außen zu stark werden, entlädt sich die familiäre Aggression am schwächsten Glied der Familie, dem Kind (Remschmidt, 1986). Belastungsfaktoren können beim Kind, bei den Eltern oder in der Familiensituation liegen. Insbesondere sind zu nennen:
Belastungsfaktoren, die unter bestimmten Bedingungen zu Risikofaktoren werden können
KIND
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ELTERN
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SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN
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| Unerwünschtheit |
Misshandlungen in der eigenen
Vorgeschichte |
Wirtschaftliche Notlage |
| Abweichendes und unerwartetes Verhalten |
Akzeptanz körperlicher Züchtigung |
Arbeitslosigkeit |
| Entwicklungsstörungen |
Mangel an erzieherischer Kompetenz |
Mangelnde Strukturen sozialer Unterstützung und Entlastung |
| Fehlbildungen |
Unkenntnis über Pflege, Erziehung und Entwicklung von Kindern |
Schlechte Wohnverhältnisse |
| Niedriges Geburtsgewicht und daraus resultierende körperliche und geistige Schwächen |
Eheliche Auseinandersetzung |
Isolation |
| Stiefkinder |
Aggressives Verhalten |
Minderjährige Eltern |
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Niedriger Bildungsstand |
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Suchtkrankheiten |
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Bestimmte Persönlichkeitszüge, wie mangelnde Impulssteuerung, Sensitivität, Isolationstendenz oder ein hoher Angstpegel |
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Depressivität der Bezugsperson |
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Sehr häufig sind Familien, in denen Mädchen und Jungen vernachlässigt werden, von Armut, schlechten Wohnverhältnissen, Langzeitarbeitslosigkeit, geringem Bildungs- und Ausbildungsniveau, sozialer Isolation und Ausgrenzung betroffen. Dazu kommen oft gesundheitliche oder psychische Beeinträchtigungen der Eltern, Alkohol- und Drogenkonsum, Trennungs-, Scheidungs- oder Partnerschaftsprobleme und fehlende Zukunftsperspektiven.
Vor allem die Mütter sind durch unerwünschte und sehr frühe Schwangerschaften und zu rasche Geburtenfolge belastet. Insbesondere alleinerziehende Mütter / Väter ohne stützendes soziales Umfeld werden in solchen Situationen häufig überfordert.
Während bei der körperlichen Mißhandlung und bei der Vernachlässigung persönlichkeitsbedingte und strukturbedingte Merkmale zusammenwirken, werden bei sexualisierter Gewalt in viel stärkerem Maße persönliche und familiäre Belastungsfaktoren angenommen (Finkelhor, 1986).
Es wird vermutet, dass ein hoher Anteil von Tätern in der Kindheit selbst sexualisierter Gewalt ausgesetzt war. In einer Art Wiederholungszwang gibt der Täter seine eigene Demütigung weiter (Finkelhor, 1986).
Für die seelische Gewalt sind praktisch keine Belastungsfaktoren bekannt, die sich von denen für Kindesmißhandlung allgemein unterscheiden. Vermutlich ist sie die in Oberschichtfamilien häufigste Form der Gewalt. In solchen Familien ist materielle Benachteiligung und daraus resultierende Überforderung weniger ein Problem, so dass körperliche Gewalt seltener vorkommt oder zumindest besser verborgen werden kann. Die Gewalttätigkeit wird also eher in psychischer Mißhandlung und emotionaler Vernachlässigung ausgedrückt.
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