Friedenserziehung konkret



Das UNICEF-Programm zur Friedenserziehung

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Friedenserziehung

In einem sogenannten "Staff Working Paper" der UNICEF beschreibt die Organisation anhand von Beispielen und Erläuterungen ihre Methoden und Programme im Bereich der Friedenserziehung.

UNICEF definiert Friedenserziehung als einen Prozess, Wissen, Fähigkeiten und Werte zu vermitteln, durch die Verhaltensänderungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erreicht werden sollen. Dadurch erhofft man sich zum einen, Gewalt und Konflikte zu vermeiden und zum anderen bereits bestehende Konflikte friedlich beilegen zu können. Außerdem sollen Bedingungen geschaffen werden, die für Frieden unabdingbar sind. Dabei finden diese Veränderungen auf allen Ebenen statt (sowohl intra- und interpersonal, als auch national und international).

Die Themen, die das Arbeitspapier umfasst, werden im Kontext der "Convention on the Rights of the Child" (CRC) und der "Jomtien Declaration on Education for All" gesehen und behandelt. Dabei wird das Verhältnis zwischen Friedenserziehung und anderen erzieherischen Initiativen (Kinder-/, Menschenrechtserziehung, Bildung für Entwicklung, "Gender"-Training, Globale Erziehung, (Über)Lebensfähigkeiten, Landminenprobleme und psychosoziale Rehabilitation) hergestellt und untersucht.

Das Arbeitspapier ist in mehrere Kapitel gegliedert, von denen sich das erste mit der Definition von Friedenserziehung befasst. Einen besonderen Schwerpunkt legt UNICEF auf die Veränderung im Verhalten der Menschen. Das Papier benennt acht Schritte, die stufenweise entwickelt werden müssen:

1. Konflikt und Frieden wahrnehmen;
2. Betroffenheit (Sensibilisierung) erzeugen;
3. Wissen und Sachkenntnis über den Konflikt erwerben;
4. Motivation, basierend auf neuen Ansichten und Werten, entwickeln;
5. Handlungsabsichten entwickeln;
6. Innovatives Verhalten auszuloten (wie etwa friedliche Konfliktlösung);
7. Das Bemühen darum kritisch überprüfen;
8. Die empfohlene Verhaltensweise praktizieren.

Friedenserziehung auf der Basis dieser acht Stufen soll in der Praxis jedoch stets einen bestimmten Verhaltenskodex der "Unterrichtenden" befolgen: Die Rechte der Kinder müssen nach den Vorgaben der Kinderrechtskonvention eingehalten werden; eine friedliche Atmosphäre soll zwischen den SchülerInnen entstehen, in der sich alle respektieren und friedlich verhalten; Beachtung möglicherweise bereits existierender friedlicher Konfliktbewältigungsmaßnahmen in der lokalen Gruppe - und Vieles andere mehr.

In einem vierten Teil wird darauf verweisen, dass keines der Konzepte, die UNICEF für Friedenserziehung verwendet, universal anwendbar, sondern vielmehr von den lokalen Gegebenheiten abhängig ist. Gegliedert sind die Maßnahmen danach, ob sie in Schulen oder außerhalb von Schulen stattfinden. Zwei Maßnahmen, die in Schulen zur Anwendung kommen sollen, bestehen etwa in der Schaffung oder Verbesserung einer friedlicheren Schulatmosphäre und in der LehrerInnenausbildung vor und während der Einstellung in den Dienst. Die von UNICEF ergriffenen Maßnahmen außerhalb von Schulen sind Camps und Clubs für Kinder und Jugendliche, Sport und Erholungsprogramme, Training von GruppenführerInnen und Workshops für Eltern, um sie in der Friedenserziehung auszubilden und um die Kinder zu unterstützen. Auch diese Maßnahmen stellen nur eine Auswahl aus dem Arbeitspapier dar.

Ein weiterer Bereich sind die "Windows of Opportunity" für Friedenserziehung. Hier wird beschrieben, auf welchem Weg den Betroffenen geholfen werden soll. UNICEF nennt hier die Möglichkeiten des Internets als Diskussionsforum für Kinder aus aller Welt über Themen wie Kinderarbeit, Kinder und Krieg oder Kinder und Städte. Zu finden sind diese Seiten vor allem unter der UNICEF-eigenen Seite: http://www.unicef.org/voy. Hinzu kommen eine CD-Rom mit dem Titel "My-City" oder Kinderbücher, die von U1VICEF publiziert und verbreitet werden.

Weitere Elemente effektiver Friedenserziehung nach UNICEF sind in neun Punkte gegliedert:

1. eine Analyse des Konfliktgebietes vornehmen und erst dann entscheiden, ob interveniert werden kann;
2. genügend Zeit einplanen, um pädagogisches Personal auszubilden;
3. Methoden anwenden, die eine aktive Teilnahme der Betroffenen ermöglichen;
4. Problemlösungsfähigkeiten lehren und mit Situationen des realen Lebens trainieren;
5. die Eltern unterrichten, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, das Erlernte anzuwenden;
6. Gender- und Kultursensibilität fördern;
7. Konflikte innerhalb von Gruppen und im zwischenmenschlichen Bereich analysieren und mit einbeziehen;
8. jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich in konstruktiven, friedensschaffenden Aktivitäten zu engagieren;
9. Anerkennung durch PolitikerInnen, Religionsgruppen, lokale GruppenführerInnen und Wirtschaftsunternehmen zu erreichen suchen.

Im achten Kapitel wird der Versuch unternommen, die Arbeit der UNICEF und die Erziehungsmöglichkeiten zu evaluieren und durch ein System von Indikatoren und Ergebnissen messbar zu machen. Unterschiedliche Evaluierungsmethoden werden verwendet, wie zum Beispiel Fragebögen, Interviews und Experimente. Die Ziele, Ergebnisse und Indikatoren werden auf mehreren Seiten des Arbeitspapiers in Beispielen aufgeführt, erläutert und in Bezug zueinander gebracht.

Das Arbeitspapier endet mit einem Anhang der verwendeten Literatur und einer differenzierten Darstellung des theoretischen Hintergrundes der Arbeit von UNICEF. bei stützt sich die Organisation vor allem auf drei namhafte Forscher: D. Hicks, J. Galtung und C. Regan.

Erhältlich ist das Arbeitspapier bei der nachfolgenden Kontaktadresse.
UNICEF, Programme Division, 3 UN Plaza, New York, NY 10017, USA, http://www.unicef.org/programme/education/peace_ed.htm#l

Aus: AFB-Info 2/2000, Arbeitsstelle Friedensforschung Bonn, S. 7 ff.
http://www.bonn.iz-soz.de/afb/

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