
Zum Umgang mit Kindern in einer schwierigen Zeit (1991)Günther Gugel |
Dieses Faltblatt will eine Orientierungshilfe bei der Frage "Wie
mit Kindern im Zusammenhang mit dem Golfkrieg umgehen?" sein. Es bezieht
sich vor allem auf Kinder im Alter von fünf bis 10 Jahren. 2. Machen Sie sich klar, daß Ihre Kinder vom Golfkrieg wissen und die Nachrichten darüber verfolgen. Wehren Sie Fragen nach Zusammenhängen und Details (z.B. auch nach Rüstungstechnologien) nicht ab, sondern beantworten Sie diese nüchtern und sachlich. Geben Sie zu, wenn Sie etwas nicht wissen, ihre Kinder spüren dies sowieso. Versuchen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern Antworten auf offene Fragen zu finden. 3. Nehmen sie die (Kriegs-)Ängste Ihrer Kinder ernst und wehren Sie diese nicht als unbegründet ab, auch wenn Sie diese im Moment nicht verstehen und nachvollziehen können. Machen Sie Ihren Kindern deutlich, daß Sie bei ihnen sind und sie deshalb nichts zu befürchten haben. 4. Versuchen Sie nicht, Ihren Kindern Informationen über den Golfkrieg vorzuenthalten ("zu ersparen"). Zwingen Sie Ihren Kindern aber auch keine Informationen auf. Lassen Sie ihre Kinder die Berichterstattung im Fernsehen nicht alleine sehen, sondern nur mit ihnen gemeinsam. Achten Sie dabei darauf, daß die Sehzeiten nicht länger als 15 bis 20 Minuten täglich sind. Sprechen Sie mit Ihren Kindern anschließend über Ihre Empfindungen und die Ihrer Kinder. Wo Sie das Gefühl haben, daß Fakten falsch oder unzureichend dargestellt wurden, korrigieren Sie diese. 5. Rechnen Sie damit, daß Ihre Kinder Szenen aus dem Gesehenen in ihre Phantasie und in ihre Spiele einbeziehen. Halten Sie es aus, wenn Waffen durch Spielmaterialien nachgebaut werden oder Kriegsszenarien entstehen. Kinder setzen sich so mit ihrer Umwelt auseinander und verarbeiten damit auch ihre Eindrücke. Verbote oder moralische Verurteilungen bringen ihre Kinder nur dazu, Sie nicht mehr an ihrem Innenleben teilhaben zu lassen. 6. Verbergen Sie nicht ihre eigene Betroffenheit, Angst und Wut über das Geschehen in der Golfregion. Aber laden Sie Ihre Emotionen nicht auf Ihre Kinder ab, sondern zeigen Sie ihnen vielmehr, daß Sie dennoch (auch politisch) handlungsfähig bleiben. 7. Helfen Sie mit, die Gefühle Ihrer Kinder in Worte zu fassen. Ent-decken Sie aber auch die Gefühle, die hinter den Worten (Fragen, Witzen usw.) Ihrer Kinder stecken. Lassen Sie Ihre Kinder mit ihren Gefühlen nicht allein. Zeigen Sie Ihnen, auch durch körperliche Nähe, daß sie bei Ihnen geborgen sind. 8. Lassen Sie der Phantasie und der eigenen Logik Ihrer Kinder Raum, auch wenn solche Phantasien bedrohlich werden. Kinder haben andere Vorstellungen von Ursachen und Wirkungen, von Raum und Zeit als Erwachsene. 9. Halten Sie den normalen Alltag (Tagesablauf) so weit wie möglich aufrecht. Teilen Sie dabei aufmerksam den Alltag Ihrer Kinder. Nehmen Sie sich besonders viel Zeit für Ihre Kinder. Entdecken Sie dabei mit ihnen gemeinsam Schönes und Außergewöhnliches. Dies ist gerade jetzt besonders wichtig. 10. Zeigen Sie Ihren Kindern, daß Sie sich auch ihretwillen engagieren, das gibt ihnen Zuversicht und Vertrauen, daß auch für sie Schlimmes vermieden werden kann. Unterstützen Sie ihre Kinder, wenn sie selbst aktiv werden wollen, auch dann, wenn diese Ideen sehr unkonventionell sind oder ihnen vielleicht sinnlos erscheinen. 11. Wenn Sie sich überfordert fühlen, nehmen sie Kontakt zu anderen Eltern auf oder wenden Sie sich an eine Erziehungsberatungsstelle, denn vielen Eltern haben heute ähnliche Sorgen wie Sie.
Vorschläge zum WeiterlesenBiermann, R./Biermann, G.: Die Angst unserer Kinder im Atomzeitalter.
Frankfurt (Fischer Verlag) 1988. |
| Günther Gugel: Zum Umgang mit Kindern in einer schwierigen Zeit (1991). In: Günther Gugel / Uli Jäger (Hrsg.): Friedenserziehung. Arbeitsansätze, Anregungen und Erfahrungen aus dem Verein für Friedenspädagogik Tübingen. Eine Dokumentation. Tübingen 1993. |
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