
Kommunale Verantwortung für den Frieden auf lokaler Ebene
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Kommunale Friedenserziehung |
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Unter dem Eindruck der wachsenden Konfrontation zwischen den Militärblöcken
in Ost- und Westeuropa trafen sich im Oktober 1983 BürgermeisterInnen
und KommunalparlamentarierInnen verschiedener Städte in Kassel. Mit
dem Motto "Gemeinden für den Frieden" verabschiedeten sie
ein Manifest, in welchem sie ausdrücklich ihre Verantwortung für
den Frieden betonten: "Die anwesenden Kommunalpolitiker erklären
nachdrücklich die Bereitschaft und den Willen, durch eine Verstärkung
der Friedensarbeit in den Gemeinden ihren Beitrag zur Sicherung des Friedens
zu leisten". Weitere Konferenzen folgten und durch den dabei stattfindenden
Erfahrungsaustausch wurde die vielfältige Praxis der Friedensbemühungen
auf kommunaler Ebene dokumentiert.1 Parallel zu den Städte-Tagungen
gewann auch innerhalb der Friedensbewegung die kommunale Friedensarbeit
an Bedeutung. Lokale atomwaffenfreie Zonen wurden mit oder ohne Gemeinderatsbeschluß
proklamiert, Zivilschutzeinrichtungen problematisiert oder manchmal sogar
durch Bürgerentscheide verhindert, Städtepartnerschaften wurden
neu geknüpft oder wiederbelebt. Rasch wurde deutlich, daß viele
Menschen sich intensiver engagieren, wenn die oftmals abstrakten sicherheits-
und friedenspolitischen Probleme vor Ort sichtbar werden und konkrete Handlungsmöglichkeiten
vorhanden sind. Deutlich wurde aber auch, wie sehr die Kompetenzen der Kommunalparlamente
und der kommunalen Verwaltungen in diesen Fragen rechtlich eingeschränkt
sind und daß partei- und finanzpolitische Überlegungen häufig
über lokale Betroffenheiten gestellt werden.2 Immer aber haben im Rahmen
der Diskussionen über die Möglichkeiten und Grenzen kommunaler
Friedensarbeit auch Fragen der Friedenserziehung eine bedeutende Rolle gespielt,
gerade weil hier bei den Kommunen mehr Entscheidungsspielraum als vielfach
erwartet vorhanden ist. In einem Beschluß des Kreistages Minden-Lübbecke
vom 12.12.1985 zur Friedenspolitik des Kreises heißt es zum Beispiel: Friedenserziehung in kommunaler Verantwortung
Von einer spezifischen kommunalen Friedenserziehung wird an erster Stelle
dann gesprochen, wenn kommunale Organe (Gemeindeparlamente, Verwaltungen,
Einrichtungen) als Träger friedenspädagogischer Vorhaben oder
Projekte auftreten bzw. diese unterstützen. Denn für eine Reihe
von friedenspädagogisch relevanten Problemen müssen die kommunalen
Organe nicht nur die Verantwortung übernehmen, sie können auch
aktiv eingreifen und an der Problembearbeitung mitwirken.3 Anhand einiger
Beispiele soll der daraus entstehende Handlungsspielraum deutlich gemacht
werden.
Dies beinhaltet, daß vermehrt auch öffentliche Anfragen und Konflikte über Ziele, Inhalte und Methoden kommunaler Friedenserziehung auftreten werden. Gestaltung des Lebensraums Kommune
Friedenserziehung in der Kommune vollzieht sich nicht nur in geplanten pädagogischen
Maßnahmen oder Aktionen, sondern umfaßt daneben auch strukturelles
Lernen und Momente des Alltagslernens. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen:
Für wie wichtig halten die Kommunen die kindgerechte Ausrichtung von
Wohnungen, Straßen, Stadtvierteln? Welche Möglichkeiten werden
geschaffen, um die menschlichen Bedürfnisse nach Ruhe und Erholung,
nach Aktivität und Kreativität, nach Entspannung und Anregung
in der täglichen Lebenswelt befriedigen zu können? Wie werden
die Interessen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen berücksichtigt,
welche Hilfen gibt es zum Interessenausgleich? Restriktive Bedingungen für Friedenserziehung
Die Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunen werden heute vor allem durch
knapper werdende Finanzmittel und - damit verbunden - durch fehlende Personalstellen
und mangelnden Räumlichkeiten eingeschränkt. Gerade vor dem Hintergrund
der Kürzungen von sozialen und kulturellen Leistungen und Angeboten
werden die (Verteil-)Konflikte in der Kommune zunehmen und die vielfältigen
Formen von Gewalt vor Ort zu einem ständigen (wenn nicht gar eskalierenden)
Problem werden.7 |
Kinderpolitik in der Kommune |
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Ob es den Erwachsenen gefällt oder nicht, Kinder sind über
viele politische Ereignisse erstaunlich gut informiert, sie wissen insbesondere
über den katastrophalen ökologischen Zustand der Erde Bescheid
und sie wollen zunehmend mit ihren Meinungen, Wünschen und Forderungen
gehört werden. Natürlich benötigen sie Erwachsene, die sich
für ihre Belange einsetzen, die eine Lobby für sie bilden, die
also "Politik für Kinder" gestalten. Doch dies ist nicht
genug. Kinder ab einem Alter von ca. 9 Jahren wollen auch unmittelbar an
politischen Entscheidungen beteiligt werden. Beteiligungsformen für Kinder
In verschiedenen Kommunen finden sich Kinder in sogenannten "Kinderforen"
zusammen, um das Gespräch mit PolitikerInnen, der Verwaltung und ExpertInnen
zu suchen, und damit auf Mißstände aufmerksam zu machen. Die
Teilnahme an diesen Arbeitsgruppen bzw. Veranstaltungen ist freiwillig und
offen. Gewählte VertreterInnen oder SprecherInnen gibt es nicht. Solche
Kinderforen gibt es z.B. seit 1990 in München und seit 1991 in Berlin.11 Die Problembereiche
Ein Grundkonflikt von "Kinderpolitik" im Sinne von "Politik
mit Kindern" liegt nicht etwa im mangelnden Verantwortungsbewußtsein
von Kindern oder in der zu geringen Sachkenntnis, was notwendige Planungen
und Auswirkungen von Entscheidungen betrifft. Aber Kinder lassen sich weder
auf Taktieren noch auf Kompromisse ein, fordern Entscheidungen sofort (hier
und heute) und stellen dabei nicht nur radikale Forderungen stellen, sondern
suchen diese auch zu verwirklichen. Für Kinder ist Radikalität,
Moralität und Politik kein Widerspruch. Sie möchten ihre Visionen
und Utopien auch in der Politik verwirklichen. Dabei lassen sie sich, wie
viele Beispiele zeigen, durchaus von Sachüberlegungen leiten. Die Folgen dieser Glaubwürdigkeitskrise der Erwachsenenwelt, insbesondere
der Politik, für die politische Identität und das politische Selbstverständnis
dieser Jugendlichen sind häufig politische Apathie und Rückzug
ins Private.
Kinder können dabei lernen, eine eigene (politische) Meinung zu
entwickeln, indem sie ein Experimentierfeld für politisches Handeln
erhalten. Jede Form von Instrumentalisierung für eigene Ziele ist dabei
ebenso zu mißbilligen wie Versuche der Indoktrination oder gar der
Manipulation. Dies bedeutet für die Erwachsenen, daß sie andere
Sichtweisen und in vielen Fällen wohl auch ein anderes Demokratieverständnis
aushalten, ja akzeptieren müssen. |
Anmerkungen |
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| 1 Vgl. Gemeinden für den Frieden. Beschlüsse zur Friedenssicherung.
2. Dokumentation der Stadt Kassel. Kassel 1987. Dietmar Hübner (Red.):
Frieden in der Stadt - Stadt, Kultur, Frieden. Eine Dokumentation der Stadt
Schwerte. Essen 1988. 2 Vgl. Günther Gugel / Uli Jäger (Hrsg.): Handbuch Kommunale Friedensarbeit. Tübingen 1988. 3 Rechtliche Verpflichtungen ergeben sich zum Beispiel aus den Landesverfassungen, aber auch aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, das neben dem Recht auf Erziehung auch Maßnahmen der politischen Bildung und internationale Begegnungen einschließt. 4 Vgl. Stadtjugendamt München, Abt. Jugendarbeit / Verein für Friedenspädagogik Tübingen (Hrsg.): Augen auf beim Spielzeugkauf. Was Sie über Gewaltspielzeug und Gewalt in Medien wissen sollten. 4. Aufl. Tübingen 1994. 5 Vgl. Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion Süssen: "Verbot des Verkaufs von Kriegsspielzeug auf örtlichen Märkten" vom 4.4.1991. Vgl. auch NWZ, 30.10.1991. Die Stadt Mössingen hat eine Marktordnung für den Weihnachtsmarkt erlassen, wonach Kriegsspielzeug weder im Warensortiment geführt noch angeboten werden darf. Vgl. Südwestpresse 10.9.1994. 6 Vgl. Frankfurter Rundschau, 2.9.1992. 7 Vgl. Reiner Steinweg: Gewalt in der Stadt. Wahrnehmungen und Eingriffe. Das Grazer Modell. Münster 1994. 8 BDKJ-Journal, Nr. 2/92: Kinderpolitik, S. 8 f. 9 Vgl. Kinder- und Jugendforum München (Hrsg.): Kinderpolitik in München. Vorschläge des Arbeitskreises "Kinderforum" im Gesunde-Städte-Projekt München. München 1992. Arbeitsgemeinschaft der Evang. Jugend in Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Arbeit mit Kindern. Kinderpolitisches Positionspapier. 2 Bde. Düsseldorf 1993. Deutscher Bundesjugendring: Kinder in Jugendverbänden. Selbstverständnis und Bedeutung kinderpolitischer Interessensvertretung. Bonn 1992. 10 Silvia Wawrziczny: Braucht Kinderpolitik neue Strukturen? In: Hedwig Blanke / Brigitte Hovenga / Silvia Wawrzicizny (Hrsg.): Handbuch kommunale Kinderpolitik. Ansätze, Anregungen und Erfahrungen konkreter Kinderpolitik. Münster 1993, S. 21 ff. 11 Hedwig Blanke: Kinder und Politik. Partizipationsmodelle auf dem Prüfstand. In: Blanke, a.a.O., S. 27 ff. 12 Vgl. Natur-Magazin: Wir sind eine Welt 1992/1993. Der natur-Kindergipfel. Informationsmaterial, München 1993. 13 Vgl. Monika Höna: "Die Erwachsenen sagen immer, sie tun was für die Umwelt, und dann passiert gar nichts". In: Südwestpresse, 27.9.1993. 14 Vgl. Natur-Magazin, Heft 11/91, S. 32. 15 Vgl. Lothar Böhnisch: Schülerdemos. In: "Ich will reden von der Angst meines Herzens". Autorinnen und Autoren zum Golfkrieg. Frankfurt 1991, S. 18. |
| Günther Gugel / Uli Jäger: Gewalt muss nicht sein. Eine Einführung in friedenspädagogisches Denken und Handeln. 3. Aufl., Tübingen 1997, S. 263-277.. |
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