
Friedenspädagogik im neuen JahrtausendErwartungen, Ansätze, ErfahrungenUli Jäger |
Zum Inhalt von Friedenserziehung |
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"Give peace a chance" Wann, wenn nicht am
Beginn des neuen Jahrtausends ist der geeignete Zeitpunkt, um
der alten Forderung endlich Gültigkeit zu verschaffen. Dies
mögen sich auch die Verantwortlichen zweier einflußreicher
Organisationen der internationalen Staaten- und Gesellschaftswelt
gedacht haben. Denn nach Beschlüssen der UNO-Generalversammlung
soll das Jahr 2000 weltweit als "Internationales Jahr für
eine Kultur des Friedens" begangen werden. "Peace in
our hands" lautet die Losung und dem bereits angelaufenen
Friedensjahr wird sich nach dem Wunsch der Weltorganisation im
Zeitraum 2001 bis 2010 eine "Internationale UN-Dekade für
eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die
Kinder dieser Welt" anschliessen. Für den gleichen
Zeitraum ruft auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK)
seine Mitgliedskirchen zu einer "Dekade zur Überwindung
von Gewalt" auf und fordert eine Absage an Geist, Logik
und Ausübung von Gewalt. Angestrebt werden die "Gewinnung
eines neuen Verständnisses von Sicherheit im Sinne von Zusammenarbeit
und Gemeinschaft statt Herrschaft und Konkurrenz", das "Lernen
von der Spiritualität Andersgläubiger und ihren Möglichkeiten,
Frieden zu schaffen" und der "Protest gegen die zunehmende
Militarisierung unserer Welt". (Dekade zur Überwindung
von Gewalt 1999)
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Die Friedensdekaden und die Bedeutung für Friedenspädagogik |
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In den Konzeptionen der beiden genannten Dekaden spielt die Bildung im allgemeinen und die Friedenserziehung im besonderen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der angepeilten Ziele. Die UN-Deklaration vom 13. September 1999 definiert eine "Kultur des Friedens" als "eine Vielzahl von Werten, Einstellungen, Traditionen, Verhaltensweisen und Lebensformen", die sich u.a. auf die Achtung der Menschenrechte und die Prinzipien der Gewaltlosigkeit und Toleranz gründen. Sie sollen durch die Förderung der Informationsvielfalt, der Meinungs- und Pressefreiheit und durch andere politische Maßnahmen, vor allem aber durch Bildung vermittelt werden: "Kinder vom frühen Alter an sollen teilhaben an einer erzieherischen Vermittlung von Werten, Einstellungen, Verhaltensweisen und Lebensstilen, die geeignet sind, ihnen die Fähigkeit zur friedlichen Streitbeilegung zu vermitteln im Geist der Achtung der Menschenwürde, der Toleranz und der Nicht-Diskriminierung". Nach einem Jahrhundert der Kriege soll das Jahr 2000 eine Wende zur friedlichen Lösung von Streitfragen und zur Konfliktvorbeugung bringen. Auch im Rahmenkonzept der ÖRK-Dekade wird dazu aufgefordert, sinnvolle pädagogische Anstrengungen zu verstärken, um der Überwindung von Gewalt eine Chnace zu geben. Es gelte, Modelle und Lehrpläne zur Friedenserziehung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu erstellen und zu verbreiten. Die Vernetzung von in der Friedenserziehung Tätigen und Sachverständigen sowie theologischen Institutionen, die sich im Bereich von Konfliktlösung, Konfliktumwandlung und Vermittlung engagiert haben, soll gefördert werden. Schließlich wird dazu aufgefordert, Bildungssysteme und Medien ihrerseits infrage zu stellen, die Konkurrenzdenken, aggressiven Individualismus und Gewalt vor allem unter Kindern verfestigen. Damit wird in wenigen Stichworten nahezu das gesamte Spektrum friedenspolitischer und -pädagogischer Zielsetzungen aufgerufen und ein beachtlicher Erwartungshorizont aufgebaut. Doch Bescheidenheit ist angesagt, wenn es um die Einflußmöglichkeiten direkter pädagogischer Maßnahmen auf die Herausbildung von Friedens- und Konfliktfähigkeit einzelner Menschen, gesellschaftlicher Gruppen oder gar Staaten geht. (1) Friedens- und Konfliktfähigkeit bedeutet, mit individuellen, gesellschaftlichen und internationalen Konflikten so umgehen zu können, daß eine gewaltsame Konflikteskalation vermieden werden kann. Individuelle Friedensfähigkeit beginnt bei der Entwicklung von Ichstärke und Selbstbewußtsein nicht um andere zu bevormunden, sondern um relativ "störungsfrei" kommunizieren zu können, um eigene Vorurteile zu erkennen und zu bearbeiten, aber auch um am politischen Geschehen so teilhaben zu können, daß ein Engagement in Richtung Gewaltminimierung und Partizipation möglich wird. Es ist offensichtlich, dass eine in diesem Sinne verstandene Gewaltprävention auf erhebliche restriktive Rahmenbedingungen im gesellschaften, nationalen und internationalen Raum trifft. Politische Entscheidungen zugunsten eines Primats des Militärischen, strukturelle Misstände wie Armut, ökonomische Ungerechtigkeiten oder soziale Tabus, Gewöhnungen und Apathie sind nur einige Stichworte. Hinzu kommt: Je unübersichtlicher und undurchschaubarer die Rahmenbedingungen für die eigene Lebensplanung werden, desto notwendiger wird Konfliktfähigkeit. Gleichzeitig aber gewinnen "Überlebensstrategien" mit wachsender Gewaltbereitschaft an Bedeutung. Dies trifft um so mehr in Gesellschaften zu, in denen ganze Bevölkerungsgruppen sich in ihrer Identität bedroht fühlen.
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Friedenspädagogik und Überwindung von Gewalt in der Gesellschaft |
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Die Sensibilisierung für unterschiedliche Gewaltformen
und -erfahrungen ist eine zentrale Voraussetzung für eine
konstruktive Auseinandersetzung mit Gewalt und mit der Fragen
der Überwindung von Gewalt. Nur wer sich um Klärungen
über eigene Gewaltpotentiale und -erfahrungen bemüht
und auch die eigene Haltung zu (militärischen) Gewaltanwendungen
außerhalb des persönlichen Nahbereiches überdenkt,
kann sich glaubwürdig für die Überwindung von
Gewalt einsetzen. Dies setzt aber die Bereitschaft und die Fähigkeit
voraus, sich mit einem brisanten, in den persönlichen Bereich
eindringenden Thema zu beschäftigen. Zur Sensibilisierung
gehört also die Selbstvergewisserung: Wie stehe ich zur
Gewalt? Wo erlebe ich Gewalt? Wann, warum und wie übe ich
selbst Gewalt aus? Wie begegne ich Gewalt? Wie stehe ich zur
militärischer Gewalt in den internationalen Konflikten?
Unter welchen Bedingungen lehne ich Gewalt ab, wann legitimiere
ich Gewaltanwendung? Entstehen dabei "Glaubwürdigkeitslücken"
und welche Folgen ergeben sich daraus? Jugendliche zum Beispiel
nehmen ihre eigenen Gewaltanwendungen häufig als legitime
Gegengewalt wahr und fühlen sich darin bestärkt, wenn
auch in der internationalen Politik "Gegengewalt" moralisch
legitimiert wird.
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"Kosovo-Krieg" und Schlüsselthemen für die friedenspädagogische Auseinandersetzung |
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Wer über die Überwindung von Gewalt und die Etablierung
einer Kultur des Friedens reden will, muß auch im Jahr
2000 über Krieg reden. Die systematische Vertreibung und
Tötung der Menschen im Kosovo durch die Soldaten und Banden
Milosevics und der Krieg der NATO mit deutscher Beteiligung gegen
Serbien bleibt eine Herausforderung für diejenige, die sich
seit vielen Jahren für eine Erziehung zum Frieden und für
die Etablierung ziviler Formen der Konfliktbearbeitung eingesetzt
haben. Denn Krieg, in welcher Form er auch auftritt bzw. herrscht,
ist ein Zeichen für die Schwächen der Zivilgesellschaft
und für das Versagen der Politik auch in den gefestigten
Demokratien. Auch haben wir gesehen, wie die Medienberichterstattung
die Haltung der Bevölkerung zu militärischen Gewalteinsätzen
massiv beeinflussen kann. Mit wochenlangen, undifferenzierten
Berichten über reale oder vermeintliche Greueltaten und
mit der systematischen Ausblendung von zivilen Möglichkeiten
der Konfliktbearbeitung kann eine Stimmung erzeugt werden, in
der die Zuschauer und Zuschauerinnen zur psychischen Selbstentlastung
eine rasche Lösung des Problems verlangen. Dann ist es zum
Griff nach der militärischen Allmachtsphantasie nicht mehr
weit und es bleibt - wieder einmal - nur noch die militärische
Intervention.
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Friedenspädagogik und die Bereitschaft zu "humanitären Interventionen" |
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Die deutsche Beteiligung am NATO-Einsatz im Kosovo hat der
alten Frage nach dem "gerechten Krieg" eine neue, dramatische
Brisanz verliehen. Viele Menschen, auch Sprecher und Anhänger
der Friedensbewegungen und -organisationen fühlten sich
innerlich zerrissen. Angesichts der Repressions- und Vertreibungsstrategien
der serbischen Führung wurde schließlich das militärische
Eingreifen der NATO von vielen als letzte, wenn nicht gar als
einzige Möglichkeit befürwortet, um eine humanitäre
Katastrophe zu verhindern. Unter friedensethischen und -pädagogischen
Gesichtspunkten besonders dramatisch ist darüber hinaus
die mangelnde Bereitschaft nach dem Krieg, diese Zustimmung zu
reflektieren oder die Tendenz, nicht einmal mehr die Kontroversen
sichtbar zu machen. So hat der Vorsitzende des Rates der Evangelischen
Kirche in Deutschland, Bischof Manfred Kock, in einem Beitrag
auf der EKD-Synode im November 1999 die erste von fünf neuen
friedensethischen Leitlinie wie folgt formuliert: "Anders
noch als zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation und der nuklearen
Abschreckung wird der Einsatz militärischer Gewalt als ultima
ratio anerkannt." Mit dieser Äusserung hat der Ratsvorsitzende
alle brüskiert, die sich in der Evangelischen Kirche in
den vergangen Jahrzehnten für eine konstruktive Auseinandersetzung
mit der Problematik humanitäter, militärischer Interverventionen
eingesetzt haben. Nicht, weil er sich für eine Interpretation
entschieden hat, sondern weil der Konflikt darüber scheinbar
abgebrochen und beendet werden soll.
Das notwendige Engagement für eine zivile Konfliktbearbeitung
als Alternative zum militärischen Gewalteinsatz darf auch
die Augen davor nicht verschliessen, wie in Politik und Gesellschaft
die Voraussetzungen für eine Zustimmung zu "Gewaltlösungen"
geschaffen werden. Die Rolle der Medien wurde bereits angesprochen.
Auf ein weiteres Mosaikteil sei unter friedenspädagogischen
Gesichtspunkten hingewiesen, nämlich auf die Erfahrungswelt
von Kindern und Jugendlichen. So besteht zum Beispiel zwischen
den zentralen Botschaften der "Gewaltspielzeugwelt"
und den Umgangsformen in Gesellschaft und Politik mit Konflikten
und Gewalt eine zumindest indirekte Verbindung. Dieser Sachverhalt
ist aber ein ausserordentlich wichtiger, weil häufig vernachlässigter
Faktor. "May the force be with you" So lautet
die zentrale Botschaft des im Sommer 1999 in den Kinos angelaufenen
Debutfilms der neuen Star-Wars-Trilogie, gerade zu dem Zeitpunkt,
als im Kosovo gekämpft wurde. Millionen Menschen lassen
sich seitdem weltweit vom Show-Down zwischen dem "Guten"
in Gestalt der Yedi-Ritter und den "Bösen" faszinieren.
Doch die zumeist jugendlichen ZuschauerInnen brauchen auch außerhalb
des Kinosaals nicht auf die Star-Wars-Abenteuer zu verzichten.
Ein riesiges Angebot von Computerspielen, Spielfiguren und anderen
Utensilien sorgt dafür, daß es nur schwer möglich
ist, den neuen Science-Fiction-Adventures zu entkommen und dass
die Botschaft von der "Macht als oberste Maxime" Einzug
in die Köpfe und Herzen hält. Nicht zufällig lautete
der Code-Name für eine mögliche Bodeninvasion der NATO
im Krieg um das Kosovo treffend "Invasion der Jedi-Ritter".
"Krieg und Frieden" ist nicht an erster Stelle ein
Bildungsthema, sondern ein Thema, das existentielle Fragen des
Lebens aufwirft. Die Eindrücke und Erfahrungen angesichts
eines Krieges können für Kinder, Jugendliche und
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Zivile Konfliktbeareitung und Globales Handeln |
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| Langfristig kann es nur darum gehen, die vielfältigen
Möglichkeiten ziviler Konfliktbearbeitung bekannter zu machen
und in den politischen Alltag zu integrieren. Nur so können
zwischenmenschliche, innergesellschaftliche und internationale
Konflikte vor einer zerstörerischen Eskalation bewahrt werden
oder wenigsten deren Folgen abgemildert werden. Zu unterstützen
sind alle Formen der Gewaltprävention (Aufbau von Frühwarnsystemen
, Verstärkung der präventiven Diplomatie, Verstärkung
der Entwicklungszusammenarbeit, Hilfe beim Aufbau demokratischer
und rechtsstaatlicher Strukturen, Förderung der Zivilgesellschaft),
der Konfliktbearbeitung und -schlichtung (Friedensdienste und
-missionen, Vermittlung zwischen Konfliktparteien, Unterwerfung
unter eine schiedsgerichtliche Regelung, Verhängung von
Sanktionen, Schaffung internationaler Öffentlichkeit, Öffnung
der Grenzen für Flüchtlinge und Deserteure, Humanitäre
Hilfe) und der Konfliktnachsorge (Beseitigung von Kriegsfolgen,
Überwindung von Feindbilder, Friedenserziehung, Verständigung-
und Versöhnungsarbeit). Mehr als jemals zuvor ist für die Förderung und Ausgestaltung ziviler Konfliktbearbeitung globales Handeln notwendig. (vgl. Gugel / Jäger 1999). Freiwilligendienste in Form von Friedens- und Entwicklungsdiensten im Ausland gibt es seit vielen Jahren auch in Deutschland. Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien hat zuletzt vielen Friedensorganisationen deutlich gemacht, daß die Förderung von Friedensprozessen und -projekten in Krisen- und Kriegsregionen "mit Helfern von außen" ein friedenspolitisch sinnvolles und notwendiges, aber auch ein äußerst schwieriges Unterfangen ist. Trotzdem scheint die Bereitschaft für ein friedens- und entwicklungsorientiertes Engagement im Ausland ungebrochen und die Anstrengungen nehmen zu, die Professionalität der Auslandseinsätze zu erhöhen. Dies ist dringend erforderlich, weil gezieltes Friedenshandeln in den häufig komplexen Konfliktsituationen im Ausland ein hohes Maß an Qualifikation, Kompetenz und an Persönlichkeit verlangt. Das Engagement für Frieden und Entwicklung im Ausland kann als Kernbereich eines neuen Handlungsansatzes verstanden und mit dem Begriff des "Globalen Handelns" umschrieben werden. Im Zeitalter der Globalisierung verändern sich auch die Ziele und Ansätze der Arbeit am Frieden. Angesichts globaler Herausforderungen in ökologischen, entwicklungspolitischen oder friedenspolitischen Bereichen gewinnen transnationale, länderübergreifende Initiativen für die Problembearbeitung an Bedeutung. Der Protest gegen Kriege und die Solidarität mit unterdrückten, verfolgten oder benachteiligten Menschen kann nicht mehr nur im eigenen Lande stattfinden. Der Slogan "Global denken, lokal handeln" hat zwar nichts an seiner Gültigkeit verloren, weil weiterhin politische, soziale und ökologische Veränderungen vor Ort notwendig sind. Sie sind Voraussetzung für eine weltweite, "zukunftsfähige" Entwicklung. Doch "global denken, lokal handeln" reicht als Prinzip für die Arbeit am Frieden nicht mehr aus, sondern muß durch den Aspekt "global Handeln" erweitert werden. Globales Handeln ist ein Zukunftsprojekt, weil neue Formen transnationaler Kommunikation, Kooperation und Aktion erst durch eine Reihe von Entwicklungen ermöglicht wurden bzw. heute im Entstehen sind. Zu diesen Entwicklungen gehört erstens die grundlegende Bereitschaft, Probleme in größeren Zusammenhängen zu sehen. Es hat zum Beispiel lange gedauert, bis die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft das Spartendenken in Entwicklungszusammenarbeit hier und Friedenspolitik zumindest in Ansätzen überwunden haben. Heute sieht man im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ein, daß in Krisen- und Kriegsregionen zivile Maßnahmen der Gewaltprävention und / oder der Konfliktnachsorge wichtige Voraussetzungen für die langfristige Wirksamkeit von Entwicklungsmaßnahmen sind. Dazu gehört zweitens der Bedeutungszuwachs der Nichtregierungsorganisationen (NROs) insbesondere für die Bearbeitung von Konflikten auf lokaler Ebene. Drittens ist die Verfügbarkeit elektronischer Medien für die weltweite Kommunikation von großer Bedeutung für globales Handeln. Die wissenschaftliche Reflexion über Voraussetzungen und Bedingungen für das Gelingen solcher Handlungsansätze steht jedoch erst am Anfang. Doch auch hier gilt: Globales Handeln kann nur im Dialog mit den Menschen in den Ländern entwickelt werden, welche zum Ziel der "erwünschten Einmischung" ausgewählt wurden. Dieser Dialog muss im friedenspädagogischen Sinne offen gestaltet sein. Er kann auch zum Ergebnis haben, dass globales Handeln in der beschriebenen Form möglicherweise teilweise oder sogar als gesamter Ansatz friedenspolitisch kontraproduktiv ist. |
Anmerkungen |
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1) Bescheidenheit ist übrigens auch angesagt angesichts der knappen Ressourcen, die für Friedenspädagogik in Deutschland zur Verfügung stehen. Noch immer gibt kaum Forschungs- und Ausbildungskapazitäten und ein fester Haushaltsposten in einem Bundesministerium, der Mittel für friedenspädagogische Forschungs- und Projektfinanzierung bereit hält, fehlt gänzlich. Auch in der neu gegründeten Bundesstiftung für Friedensforschung ist die Friedenspädagogik nicht verankert. 2) Ein friedenspädagogisch interessantes Beispiel für diese Zusammenhänge ist die aktuelle Diskussion über die vorgesehene Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrechtes und über den in diesem Kontext diskutierten gesellschaftlichen Stellenwert von gewaltfreier Erziehung. 3) In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, dass der Umgang mit interpersonellen, gesellschaftlichen und internationalen Konflikten nur einen Teilbereich friedenspädagogischer Ansätze darstellt. |
Literatur |
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| Albrecht, Ulrich / Paul Schäfer (Hrsg.):
Der Kosovo-Krieg. Fakten, Hintergründe, Alternativen. Köln
1999. Erler, Gernot: Vom Sieg, der kein Modell sein kann. Der Kosovo-Krieg und die Folgen. In: Frankfurter Rundschau vom 9. September 1999. Galtung, Johan: Frieden mit friedlichen Mitteln. Friede und Konflikt, Entwicklung und Kultur. Opladen 1998. Graß, Hans Peter: Reden wir über den Krieg... Diskussionsmethoden für Schule und Jugendarbeit am Beispiel des Kosovo-Krieges. Friedenserziehung konkret, Band 6. Salzburg 2000. Gugel, Günther / Uli Jäger: Gewalt muß nicht sein. Eine Einführung in friedenspädagogisches Denken und Handeln. Tübingen 1996. Gugel, Günther / Uli Jäger: Global Handeln für Frieden und Entwicklung. Tübingen 1999. Maringer, Eva / Reiner Steinweg: Konstruktive Haltungen und Verhaltensweisen in institutionellen Konflikten. Erfahrungen, Begriffe, Fähigkeiten. Berlin, Berghof Report 3 / 1997. Müller-Fohrbrodt, Gisela: Konflikte konstruktiv bearbeiten lernen. Zielsetzungen und Methodenvorschläge. Opladen 1999. Ökumenischer Rat der Kirchen: Dekade zur Überwindung von Gewalt. September 1999 (Rundbrief). Schmidt, Hajo: "Primat der Kultur" bei der Suche nach Frieden? Zu Johan Galtungs erweiterter Friedenstheorie. In: Wolfgang Vogt 1999, S. 36-51. Senghaas, Dieter (Hrsg): Frieden machen. Frankfurt / Main 1997. UN-Deklaration und Aktionsprogramm für eine Kultur des Friedens. In: UNESCO heute, Heft 4 / 1999, S. 58-62. Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V.: Krieg im Unterricht. Zum Umgang mit dem "Balkan-Krieg" in Schule und Unterricht. Faltblatt. Tübingen 1999. Vogt, Wolfgang R. (Hrsg.): Friedenskultur statt Kulturkampf. Strategien kultureller Zivilisierung und nachhaltiger Friedensstiftung. Baden-Baden 1999. Wehner, Burkhard: Prämierung des Friedens. Alternativen zum "humanitären" Krieg. Opladen 1999. |
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Uli Jäger: Friedenspädagogik im neuen Jahrtausend. Erwartungen, Ansätze, Erfahrungen. In: ZEB. Zeitschrift für Entwicklungspädagogik, 1/2000. © 2000, Online-Fassung: Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V. |
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© Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. Corrensstr.12, D-72076 Tübingen, Tel.: 07071/920510, Fax: 07071/9205111 E-Mail: kontakt@friedenspaedagogik.de http://www.friedenspaedagogik.de |