Unterricht konkret

Unterkunft für Asylsuchende - Ein Szenario

Übersicht Unterricht konkret


Didaktische Hinweise
Fächer: Deutsch, Sozialkunde, Politik, Religion, Ethik
Themenbereich: Umgang mit Flüchtlingen
Zeitbedarf: 45 Min. oder länger
Methodenbereich:Simulationsspiele
Benötigte Materialien: keine
Vorbereitungen: keine

Verlaufsskizze
Einstieg: M 1 vorlesen
Vorstellung der Vorgehensweise: siehe oben
Durchführung: Gruppen, Klasse
Schluß:


In einem Szenario wird ein allgemeines Problem in einem konkreten Fall geschildert, das unter einer bestimmten Fragestellung bearbeitet werden soll. Die Bearbeitung wird in Form einer Gruppendiskussion durchgeführt. Die Gruppe soll nach der vereinbarten Zeit die Antworten auf die Fragen abliefern und über ihre Überlegungen und Begründungen informieren. Im Plenum werden die Antworten verglichen.


Vorgehensweise

  • Aufteilung der TeilnehmerInnen in Kleingruppen (5-8 Personen).
  • Vorlesen oder Verteilen des Szenarios (M 1).
  • Vorlesen oder Verteilen der Fragestellung.
  • Gruppenarbeit, die Gruppen sollen zu einem Ergebnis kommen.
  • Auswertung im Plenum.

Diese Methode ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Sie erfordert gleichzeitig eine Begründung der eigenen Meinungen sowie das Eingehen auf die Argumente der anderen.
Kommt die Gruppe zu keiner gemeinsamen Entscheidung, so müssen die verschiedenen Meinungen im Plenum dargestellt werden. Es ist hilfreich, wenn die Gruppe ihre wichtigsten Punkte auf einer Wandzeitung festhält.

M 1: Ausgangslage des Szenarios Seitenanfang

In einer Kleinstadt sind ca. 60 Asylsuchende in einem leerstehenden Schulgebäude untergebracht. Seit Jahren gibt es verschiedene Bürgerinitiativen, die eine Verwendung des Gebäudes für ihre Zwecke fordern. So will z.B. eine Elterninitiative die Räume für einen dringend erforderlichen Kindergarten nutzen. Die Stadtverwaltung sieht aber gegenwärtig keine andere Unterbringungsmöglichkeit für die Asylsuchenden. Der Unmut der Bevölkerung wächst von Tag zu Tag; es ist schon vorgekommen, daß rechtsradikale Gruppen Fensterscheiben des Gebäudes eingeworfen haben.

Fragen zur Ausgangslage:

  1. Welchen Lösungsvorschlag haben Sie für die oben beschriebene Situation?
  2. Von welchen Stellen ist Rat und Hilfe zu erwarten?
  3. Wodurch kann es überhaupt zu einer solchen Situation kommen, wer ist Ihrer Meinung nach verantwortlich dafür?

M 2: Erfahrungen mit dem Szenario - ein Beispiel Seitenanfang

In diesem Szenario wird ein Konflikt entworfen, bei dem die Interessen der BürgerInnen konkret gegen die von Asylsuchenden stehen. Ein Teil der Jugendlichen, die sich mit dem Szenario auseinandergesetzt haben, ist der Schärfe des Konflikts allerdings ausgewichen: sie schlagen in vielen Varianten vor, einen anderen Unterbringungsort für die Asylsuchenden zu finden - was ja zumindest für den Moment im Szenario ausgeschlossen war.

  • Eine weitere, etwa gleich große Gruppe (zusammen machen sie etwa ein Drittel aus) beschäftigt sich eigentlich auch nicht direkt mit Lösungsmöglichkeiten, sondern denkt darüber nach, wie solche Situationen, zu vermeiden wären. Die Tendenz geht hier insgesamt dahin: politisches Asyl ja, aber die Zahl der Anerkennungen mit möglichst strengen Gesetzen möglichst klein halten
  • Eine dritte Gruppe (ein weiteres Drittel) stellt sich angesichts der Konfliktsituation des Szenarios auf die Seite der Elterninitiative und gegen die Interessen der Asylsuchenden.
  • Es gibt aber auch die Gruppe derjenigen (das letzte Drittel), die sich im Konfliktfall auf die Seite der Asylsuchenden stellen würden, das Grundrecht auf politisches Asyl verteidigen und versuchen, Wege aus dem Dilemma zu finden.

Auffällig ist in der Bearbeitung des Szenarios die häufige Gleichsetzung der Begriffe "die Ausländer" und "die Asylanten", d.h. hier werden keine oder wenig Unterschiede gemacht, alles geht auf in einer allgemein ablehnenden Grundhaltung.
Nach: Christian Heiliger / Karin Kürten: Jugend'92: Ergebnisse der IBM-Jugendstudie. In: Institut für Empirische Psychologie (Hrsg.): Die selbstbewußte Jugend. Orientierungen und Perspektiven 2 Jahre nach der Wiedervereinigung. Die IBM-Jugendstudie'92. Köln 1992, S. 126 ff.

M 3: Plakattexte Seitenanfang
  • "Sie sind nicht dafür verantwortlich, wenn jemand Flüchtling wird. Sie sind es, wenn er es bleibt."
  • "Ihre Probleme möchte ein Flüchtling haben ..."
  • "Keine Lösung des Flüchtlingsproblems? - Doch ... mit Ihrer Hilfe!" Texte einer Plakatserie des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge.

Literaturhinweise Seitenanfang
Beckmann, Herbert (Hrsg.): Angegriffen und bedroht in Deutschland. Selbstzeugnisse, Berichte, Analysen. Weinheim 1993.
Gugel, Günther: Ausländer, Aussiedler, Übersiedler. Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Tübingen 1994.
Just, Wolf-Dieter (Hrsg.): Asyl von unten. Kirchenasyl und ziviler Ungehorsam. Ein Ratgber. Reinbek 1993. Nuscheler, Franz: Internationale Migration. Flucht und Asyl. Obladen 1995.
Tessmer, Carsten (Hrsg.): Deutschland und das Weltflüchtlingsproblem. Opladen 1994.


Auszug aus dem Buch:

Günther Gugel, Vertretungsstunden mit Pfiff.

Anregungen für einen handlungsorientierten Unterricht zum Themenbereich
"Eine Welt" in den Sekundarstufen.

Verein für Friedenspädagogik, Tübingen 1996.


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