Methoden



Rollenfunktionen in Gruppen
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In jeder Gruppe entwickeln sich bestimmte Rollenfunktionen, die den unausgesprochenen Zielen der Gruppe dienen, damit diese ihre Arbeit fortsetzen kann. Es lassen sich dabei deutlich eine Reihe von Rollen herauskristallisieren, die sich aus der Bemühung des einzelnen ergeben, das jeweilige entstehende soziale System einer Gruppe weiter zu entwickeln. Rollen werden unterschieden in Rollen, die vorwiegend Aufgabenrollen sind und solchen, die vorwiegend Erhaltungs- und Aufbaurollen sind. Darüber hinaus gibt es auch störende Rollen, die gegen jede konstruktive Beteiligung an der Gruppenarbeit gerichtet sind.

 Was sind Rollen?

Rollen sind Verhaltenserwartungen (bzw. Verhaltensvorschriften), die von außen an die betreffenden Rollenträgerinnen und -träger herangetragen werden. Die Inhalte dieser Vorschriften werden nicht vom einzelnen, sondern von Gruppen oder der gesamten Gesellschaft bestimmt.

Die in Rollen gebündelten Verhaltenserwartungen begegnen dem/der einzelnen mit einer gewissen Verbindlichkeit des Anspruchs, so daß er/sie sich ihnen nicht ohne Schaden entziehen kann.

 

Aufgabenrollen

Initiative und Aktivität:
Lösungen vorschlagen, neue Ideen vorbringen.

Informationssuche:
Frage nach genauerer Klärung von Vorschlägen, Forderung nach ergänzenden Informationen oder Tatsachen.

Meinungserkundung:
Versuche, bestimmte Gefühlsäußerungen von Mitgliedern zu bekommen, die sich auf die Abklärung von Werten, Vorschlägen oder Ideen beziehen.

Informationen geben:
Angebote von Tatsachen oder Generalisierungen.

Meinungen geben:
Äußerung einer Meinung oder Überzeugung, einen oder mehrere Vorschläge betreffend.

Ausarbeiten:
Abklären, Beispiele geben, versuchen sich vorzustellen, wie ein Vorschlag sich auswirkt, wenn er angenommen wird.

Koordinieren:
Aufzeigen der Beziehungen zwischen verschiedenen Ideen oder Vorschlägen; Versuch, diese zusammenzubringen.

Zusammenfassen:
Zusammenziehen verwandter Ideen und Vorschläge.

 

Erhaltungs- und Aufbaurollen

Ermutigung:
Freundlichsein, Wärme, Antwortbereitschaft gegenüber anderen.

Regeln bilden:
Formulierung von Regeln für die Gruppe, die für Inhalt, Verfahrensweisen oder Bewertungen gebraucht werden.

Folge leisten:
Den Gruppenentscheidungen folgen.

Ausdruck der Gruppengefühle:
Zusammenfassung, welches Gefühl innerhalb der Gruppe zu spüren ist.

Auswerten:
Überprüfen der Gruppenentscheidungen.

Vermitteln:
Harmonisieren, verschiedene Standpunkte miteinander versöhnen.

Spannung vermindern:
Negative Gefühle durch einen Scherz ableiten, beruhigen.

 

Negative Rollen

Aggressives Verhalten:
Arbeiten für den eigenen Status, indem andere kritisiert oder blamiert werden.

Blockieren:
Durchkreuzen der Weiterentwicklung der Gruppen durch Ausweichen auf Randprobleme.

Rivalisieren:
Die größte Rolle spielen, die Führung an sich reißen.

Clownerie:
Jux veranstalten, Witzeln, Nachäffen.

Beachtung suchen:
Versuche, die Beachtung auf sich zu ziehen.

Sich zurückziehen:
Passives Verhalten, Tagträumen.

Vgl. Klaus Antons: Praxis der Gruppendynamik. Göttingen u. a. 1975, S. 226 ff.


© Günther Gugel: Praxis politischer Bildungsarbeit. Methoden und Arbeitshilfen. 5. Auflage, Tübingen 1999.



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