Methoden



Vorsicht beim Sprachgebrauch

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Der Sprachgebrauch sollte von einem sensiblen Umgang mit Bezeichnungen und Begriffen gekennzeichnet sein.

Insbesondere sollte auf vier Phänome besonders geachtet werden:

1. Vermeidung sexistischer Wendungen;
2. Vermeidung einer gewaltförmigen Ausdrucksweise;
3. Unkritische Übernahme von Begriffen und Definitionen;
4. Vermeidung von "Killerphrasen".

 

1. Vermeidung sexistischer  Wendungen 

Die Sensibilität für die sprachliche Behandlung von Frauen und Männern ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Bei der Lehrerfortbildung und im Unterricht sollten entweder geschlechtsneutrale Formulierungen oder Formulierungen verwendet werden, die Frauen und Männer gleich ansprechen und behandeln.

Zu beachten ist z. B., daß

  • bei Personenbezeichnungen beide Gruppen angesprochen werden: Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
  • diskriminierende und ausschließende Wörter vermieden werden: z. B. Fräulein,
  • bei Titel und Berufsbezeichnungen nicht nur die männlichen Formen verwendet werden: Doktor, Professor, Techniker ...,
  • bei Pronomen wie "man", "jemand" usw. nicht nur die männliche Seite benannt wird.

 

2. Vermeidung gewaltförmiger  Ausdrucksweisen 

Immer noch werden auch im schulischen Bereich militärische Begriffe verwendet, die in einer demokratischen, zivilen Gesellschaft nichts mehr zu suchen haben. All diese Begriffe lassen sich auch anders, positiver ausdrücken und zudem wird durch eine andere Ausdrucksweise den Schülerinnen und Schülern gegenüber eine Wertschätzung vermittelt. Die Lehrerin bzw. der Lehrer sollte sich also beobachten, welchen Wortschatz sie bzw. er unbewußt benützt und nach entsprechenden Korrekturen suchen.

Begriffe wie Frontalangriff, Preiskampf, Schnellschuß, Untergebener, Verteidigungsstellung, Vorstoß, Werbefeldzug, Zielgruppe, ein schweres Geschütz auffahren, gut gerüstet sein, gezielt zurückschlagen, bombardieren, todsicher, in den Clinch gehen, gut geschlagen haben usw. sollten nicht verwendet werden.

 

3. Vermeidung unkritischer Übernahme von Begriffen und  Definitionen 

Im Alltagssprachgebrauch ebenso wie im politischen Sprachgebrauch haben sich eine Reihe von Begriffen eingebürgert, die eher Stimmungen vermitteln als genau beschreiben. Diese Begriffe sollten untersucht und vermieden bzw. korrekt benannt werden.

So ist es z. B. üblich, aber unkorrekt bzw. diskriminierend, wenn Asylbewerber als Asylanten oder Sinti und Roma als Zigeuner bezeichnet werden.

 

4. Vermeidung von Killerphrasen

Killerphrasen verhindern einen Austausch und ein echtes Gespräch, indem sie die andere bzw. den anderen abblocken. Solche Killerphrasen sind z. B.:

  • Das geht hier nicht.
  • Dafür ist die Zeit zu knapp.
  • Das kann ich jetzt nicht erklären.
  • Dafür ist die Gruppe zu neu.
  • Das haben wir schon oft versucht.
  • Davor müssen wir aber noch erledigen ...
  • Was soll da schwierig sein?
  • Das war noch nie so.
  • Das können wir den anderen nicht zumuten.
  • Das ist doch gar nicht erlaubt.
  • Das macht zu viel Arbeit
  • Das kann ich mit meinen Schülerinnen und
  • Schülern nicht machen.
  • Das ist gegen die Schulordnung.

Killerphrasen und sprachliche Entgleisungen sind oft Hilferufe in Situationen, die als unübersichtlich oder überfordernd empfunden werden.

Die Sprache und Ausdrucksweise muß der inneren Einstellung entsprechen. Nur dann kommt sie auch so an, wie sie gemeint ist.


© Günther Gugel: Praxis politischer Bildungsarbeit. Methoden und Arbeitshilfen. 5. Auflage, Tübingen 1999.



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