Methoden



Zur Rolle der Leitung

Zum Inhalt von "Methoden"

Die Leitung ist mit vielfältigen Anforderungen konfrontiert und muß deshalb über spezifische Kenntnisse, Fähigkeiten und Eigenschaften verfügen.

Der Einsatz von und der Umgang mit Methoden kann nicht isoliert gesehen werden, sondern ist Teil des Gesamtverhaltens der Leitung.

Lernen findet nur dann statt, wenn die Beteiligten darin keine Bedrohung für ihr Selbst (eigene Person) sehen. Nur solche Dinge werden angenommen und gelernt, die als Erhaltung, Stabilisierung oder Weiterentwicklung der eigenen Person wahrgenommen werden.

Die Gruppenleitung


Die Grundlagen des Leiterinnen- und Leiterverhaltens

Grundlage des Leiterinnen- und Leiterverhaltens ist die Bereitschaft, sich in einer Bildungssituation zu engagieren, sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Geduld und Freundlichkeit zuzuwenden, sich auf sie einzustellen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ebenso gehört dazu, konstruktive Kritik äußern und solche auch annehmen zu können.

Zusammengefaßt:

  • Auf der emotionalen Ebene geht es um die gefühlsmäßige Bejahung der Situation und der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
  • Auf der kognitiven Ebene geht es um das Anbieten von Erklärungen und das gemeinsame Lösen von Problemen und Suchen nach Antworten.
  • Auf der Gruppenebene geht es um das Erfassen der Gruppenstruktur und die Dynamik der Gruppe, um diese bewußt für den Arbeitsprozeß nutzen zu können.

 

Die Kenntnis und der Einsatz vielfältiger Methoden ist ein Schlüssel für einen guten Seminarverlauf.

Eine wichtige Fähigkeit der Leitung ist die Offenheit für Anregungen und andere Meinungen: Offenheit, auch Fehler und Lücken einzugestehen, ohne Angst haben zu müssen, das Gesicht zu verlieren. Eine weitere wichtige Fähigkeit ist "Machtverzicht", also die eigenen Einflußmöglichkeiten zugunsten eines demokratischen Verhaltens zurückzunehmen.

Natürlich haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre Lernprozesse eigenständig Verantwortung. Die Leitung hat jedoch die Verantwortung für eine sorgfältige Planung und Durchführung, für die fachliche Fundierung und die optimale Förderung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

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Wie die Gruppenleitung beschrieben werden könnte ...

Die Leitung, eine oder ein ...

Gruppenmotor

Showmadam und Showmaster

Gesprächsleiterin und Gesprächsleiter

Organisatorin und Organisator

Expertin und Experte

Kollegin und Kollege

Klagemauer

Stimmungsmacherin und Stimmungsmacher

Partnerin und Partner

Informationsvermittlerin und Informationsvermittler

Ratgeberin und Ratgeber

Sündenziege und Sündenbock

Blitzableiter

Imitatorin und Imitator

Besserwisserin und Besserwisser

Protokollantin und Protokollant

Lotse

Dirigentin und Dirigent

Prügelmädchen und Prügelknabe

Dienstbotin und Dienstbote

Kontrolleurin und Kontrolleur

Wanderpredigerin und Wanderprediger

Spielleiterin und Spielleiter

Künstlerin und Künstler

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Die Aufgaben der Gruppeleitung

Auf die Organisation bezogen

Die Leitung sollte sich vergewissern, ob alles Notwendige verfügbar ist:

  • Sind entsprechende Räumlichkeiten (Zahl und Ausstattung der Gruppenräume) vorhanden?
  • Sind die benötigten Geräte (Overhead, Video usw.) verfügbar?
  • Welche weiteren Gruppen sind noch im Haus? Steht der Rahmenzeitplan (u. a. Essenszeiten) mit den Seminaranforderungen im Einklang?

Denn eine mangelnde Organisation schlägt sich unmittelbar auf die Arbeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nieder.

 

Auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezogen

Da Lernen immer dann am besten gelingt, wenn eine persönliche Beziehung zwischen den Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmern und der Leitung aufgebaut werden kann, ist der Kontakt zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmer von großer Wichtigkeit. Kenntnisse über die Herkunft und die Vorerfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleichtern hier nicht nur die Vorbereitung, sondern ermöglichen auch ein gezieltes Anknüpfen an die jeweilige Situation.

Während des Seminars muß die Leitung neben dem Thema (dem Arbeitsprozeß) und der Gesamtgruppe auch die einzelne Teilnehmerin und den einzelnen Teilnehmer im Auge haben. Sie muß dabei Angegriffenen und Minderheiten dort, wo es notwendig ist, Unterstützung und Schutz gewähren können. Sie muß die Vielrednerinnen und Vielredner stoppen und die Schweigerinnen und Schweiger einbeziehen. Sie muß einzelnen zuhören und anderen etwas erklären können. Nur Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich akzeptiert fühlen, werden sich für Lernprozesse öffnen können.

Leitfragen könnten u. a. sein:

  • Welchen Teilnehmerinnen und Teilnehmern fühle ich mich besonders verbunden?
  • Kann ich fair mit allen umgehen?

 

Auf die Gruppe bezogen

Die Leitung muß den Zusammenhalt und die gemeinsame Arbeit der Gruppe fördern, also die emotionalen Grundlagen für die gemeinsame Arbeit schaffen. Dies geschieht vor allem dadurch, daß der Austausch zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht und gefördert wird.

Gruppen bedürfen i. d. R. eines klaren Rahmens, um konstruktiv tätig werden zu können. Dieser Rahmen kann nicht nur vorgegeben, sondern (in einem fortgeschrittenen Stadium der Veranstaltung) auch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bewußt gestaltet werden (Anfangszeiten, klare Räumlichkeiten, klare Pausenregelungen usw.).

Lernwiderstände, die sich häufig in Zuspätkommen, Unruhe, häufigen Pausen usw. äußern, sollten erkannt, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besprochen und nach Möglichkeit beseitigt werden.

Die Mitglieder der Gruppe müssen nicht nur das Gefühl, sondern auch die Gelegenheit haben, sich an Entscheidungen zu beteiligen, die sie betreffen.

Für die Leitung ist es nicht wichtig "Gruppenguru" zu sein oder zu werden, sondern der Gruppe bei ihrem Lernprozeß Hilfestellungen zu geben.

 

Auf das Thema bezogen

Die Leitung sollte sich in den Grundzügen des Themas gut auskennen und zu einzelnen Teilbereichen über fundierte Kenntnisse verfügen. Für Spezialbereiche können Expertinnen und Experten herangezogen werden.

Die wichtigste Aufgabe der Leitung ist es, das aufgabenzentrierte Arbeiten zu fördern. Störungen dieses Arbeitsprozesses müssen dabei aufgegriffen und bearbeitet werden, um wieder zu einer konzentrierten Arbeitsatmosphäre zurückfinden zu können.

Besonders wichtig für das Begreifen von Zusammenhängen ist es, die Beziehungen zwischen verschiedenen thematischen Teilbereichen herzustellen sowie diese in größere (z. B. historische, interkulturelle) Perspektiven einzuordnen und auch langfristige Entwicklungen deutlich zu machen.

Es kann in der Bildungsarbeit nicht darum gehen, die Meinungen und Einstellungen der Leitung als Maßstab für die Diskussion und das Geschehen zu nehmen. Die Leitung muß bereit sein, eigene Vorstellungen zur Diskussion zu stellen und Toleranz gegenüber anderen zu üben.

Fragen zu stellen ist oft wichtiger, als sie zu beantworten, Interesse an einem Thema zu wecken wichtiger als die Fakten zu vermitteln, Denken zu stimulieren und Kreativität zu fördern wichtiger als zu belehren.

Das gemeinsame Lernen sollte als Suche nach Erkenntis verstanden werden und nicht als Vermittlung letzter Wahrheiten.

Nicht jedes Thema, das die Leitung für wichtig und interessant hält, wird auch von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern so gesehen. Aber ein Thema, das von der Leitung nicht voll akzeptiert wird, hat auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wenig Chancen, auf Gegenliebe zu stoßen.

Leitfragen für die Leitung könnten u. a. sein:

  • Warum interessiert mich gerade dieses Thema?
  • Welchen persönlichen Bezug habe ich dazu?
  • Welche Vorerfahrungen habe ich damit gemacht?
  • Mit welchen thematischen Aspekten muß ich mich noch befassen?

 

Auf das Team bezogen

Wenn Lehrerfortbildung über einen längeren Zeitraum geplant ist, wird sie i. d. R. von einem Team geleitet. Auch in der Schule ist Team-Teaching (z. B. bei fächerübergreifendem Unterricht oder bei der Durchführung von Projektwochen) eine wünschenswerte Kooperationsform.

In beiden Fällen ist es sinnvoll, sich mit folgenden Fragen zu befassen:

  • Wie setzt sich das Leitungsteam zusammen? Kennen sich die Beteiligten?
  • Wo liegen meine Stärken und Schwächen, wo die der anderen?
  • Wie komme ich mit den anderen Teammitgliedern zurecht?
  • Welche Differenzen und Konflikte (z. B. Konkurrenz) können beim Leitungsteam entstehen?
  • Lassen sich unterschiedliche Arbeitsauffassungen der Leitung aufeinander abstimmen?
  • Ist die Möglichkeit einer gemeinsamen Reflexion gegeben?
  • Wer übernimmt welche Teile des Seminars (welche Inhalte, Freizeitangebote usw.)?
  • Wer übernimmt wann die Moderation?
  • Wer ist wann anwesend?

Schwierigkeiten und Konflikte in einem Leitungsteam sind eher normal. Es kommt nicht darauf an, sie zu unterdrücken oder nicht zu zeigen, sondern sie konstruktiv auszutragen.

 

 

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© Günther Gugel: Praxis politischer Bildungsarbeit. Methoden und Arbeitshilfen. 5. Auflage, Tübingen 1999.



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