Krieg und Frieden im GrundschulunterrichtZehn Möglichkeiten das Thema aufzugreifenGünther Gugel |
| Inhalt von "Unterricht konkret" |
Grundsätzliches |
| In der Grundschule bieten sich vor allem Zugänge
an, in denen eigenes Gestalten und Handlen im Mittelpunkt steht.
Obwohl Kriegsängste bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
(so neueste Umfragen) die dominierenden Ängste sind, sollten
nicht diese Ängste direkt thematisiert werden, sondern künstlerisch
kreative Ausdrucksformen hierfür gesucht werden. Analysen
und sachlogische Erklärungen über Zusammenhänge
spielen hier eine untergeordnete Rolle. Vor allem beim Umgang mit dem Thema "Krieg" (weniger mit dem Thema "Frieden") stehen immer auch Fragen der "Verfrühung" und "Überforderung" im Hintergrund: Was kann und darf Kindern in dieser Altersstufe zugemutet werden? Mit welchen Intentionen wird das Thema ausgewählt? Welche Erklärungen werden den Kindern angeboten? Was geschieht mit offenen Fragen? Wie kann vermieden werden, daß Kinder mit ihren Empfindungen alleine gelassen weden ? usw. Die hier vorgstellen Zugangsmöglichkeiten zum Thema sind z.T. auf der symbolischen Ebene, z.T. auf der direkten realen Ebene angesiedelt. |
1. Friedensvisionen |
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| Jeder hat seinen "Traum" von einer
anderen, (besseren?) Welt. Friedensvisionen sind Ausdruck dieses
Traums den auch Kinder haben. Auf großem Plakatkarton oder
auch auf Stoffbahnen malen Kinder ihre Vision. "So wünsche
ich mir die Welt". Läßt man die Themenformulierung offen (z.B. "Unsere Welt in 20 Jahren") so werden häufig Negativ-Visionen gestaltet. Visionen können auch als kleine Gedichte, als Wortreihe ("zehn Wörter"), als Wünsche ("fünf Wünsche") oder als Aufsatz formuliert werden. Auch das "Wenn ich ... wäre" Spiel ist möglich. Interessant ist es diese Visionen mit Visionen aus der Literatur oder Religion zu konfrontieren. Die Ergebnisse als kleine Ausstellung zu präsentieren bring zusätzliche Motivation. |
2. Krieg und Frieden in der Kunst |
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| Die Auseinandersetzung mit und die Gestaltung
von Kunst (Bildern, Objekten usw.) ermöglicht auch Kindern
einen Zugang zu Befürchtungen, Ängsten, Hoffnungen
und Wünschen die mit dem Thema "Krieg und Frieden"
verbunden sind. Picassos Wandgemälde "Der Krieg"
und "Der Friede" eignet sich wegen ihrer tiefen Symbolik
in besonderer Weise. Diese Bilder können nachgemalt, mit
Figuren oder den SchülerInnen selbst dreidimensional nachgestellt
und die einzelnen Elemente des Bildes "zum Sprechen gebracht"
werden. Auf ein großes wandfüllendes Format gebracht
(über die Projektion mit einem Tageslichtprojektor) können
Teile oder das Ganze als Wandbild nachgezeichnet werden. Eine weitere Möglichkeit ist (mit oder ohne Kenntnis der Picasso Bilder) eigene Bilder zu "Krieg" und/oder "Frieden" zu gestalten. Wichtig ist zu sehen, daß diese Bilder nicht den "realen Krieg", sondern den innerlich erlebten und phantasierten Krieg auf das Papier bannen, häufig auch symbolhaft dargestellt den "Familienkrieg". Bei Flüchtlingskindern aus Kriegsgebieten sind solche Bilder jedoch Ausdruck eigener traumatischer Erlebnisse. Natürlich sollen die Kinder ihre Bilder kommentieren und darüber auch erzählen. |
3. Kraniche falten |
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Als Ausdruck der Sehnsucht und des Willens nach Frieden, sowie zum Gedenken an den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima ist in Japan der Kranich und das Falten von Kranichen ein Friedenssymbol geworden. Hintergrund dieser Falt-Aktionen ist eine alte japanische Legende, die besagt, daß dem, der 1000 Kraniche faltet, ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung geht.
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4. Bildergeschichten |
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5. Wie war das damals? |
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| (Ur-)Großeltern und (Ur-)Enkel im Gespräch. Die heutige Großelterngeneration hat noch viele Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg und die Jahre danach. In Gesprächen können Kinder erfahren, daß Kriege nicht nur Fernsehereignisse sind, sondern auch "Spuren" in ihrer Familie hinterlassen haben. Die Frage, "Wie war das eigentlich damals...?" kann Einstieg in einen längeren Gesprächszusammenhang sein, der z.T. zuhause, von einzelnen Kindern, z.T. in der Klasse stattfinden kann. "Zeitzeugen" (also (Ur-)Großeltern) einzuladen und zu befragen kann sehr spannend sein. |
6. Spurensuche vor Ort: Kriegerdenkmale |
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| Kriege hinterlassen Spuren, auch wenn diese im Laufe der Zeit verblassen oder überwuchert werden. Was erinnert in unserer Gemeinde/Stadt (noch) an vergangene Kriege? Gibt es Denkmale (von wem wurden sie wann warum errichtet?) Gibt es Gräberfelder auf Friedhöfen? Welche Häuser wurden zerstört? Was erinnert noch heute an frühere Kriege? Erkundungen vor Ort oder "Lerngänge" können hier sehr anschaulich sein. Materialien finden sich in Zeitungsarchiven und dem Gemeinde-/Stadtarchiv. |
7. Bilderbücher |
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8. Fabeln |
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| "Ganz unverhofft, an einem Hügel, sind
sich begegnet Fuchs und Igel", so oder ähnlich beginnen
viele Fabeln des Aesop oder auch von Wilhelm Busch. Solche Fabeln,
wie z.B. "Der Hahn und der Fuchs" oder "Der Löwe
und die Maus" stellen ein Problem bzw. einen Konflikt mit
(oft eigenwilligen) Lösungen dar. Sie eignen sich besonders
dazu unkonventionelle Lösungen zu finden und zu besprechen. Der "offene Schluß", also die Fabel ohne Kenntnis der Schluss-Sequenz zuende erzählen zu lassen ist hierzu ebenso eine Umgangsmöglichkeit, wie das Einfühlen in die verschiedene Rollen: "Warum handelt der Löwe so?", "Wenn Du die Maus wärst, was würdest Du dann machen, denken...?". "Keiner ist so schwach, daß er nicht auch einmal einem Starken helfen könnte," lautet z.B. die Erkenntnis aus der Fabel "Der Löwe und die Maus". |
9. Spiele mit dem Wortfeld "Krieg und Frieden" |
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| Wortspiele können einen assoziativen Zugang
zum Thema ermöglichen, indem sie Zusammenhänge erschließen
helfen und Themenfelder einkreisen. Wortfelder: Welche Worte gehören zu "Frieden", welche zu "Krieg" und "Gewalt"? Das Wort ("Frieden" /"Krieg" usw.) wird auf ein großen Blatt Papier in die Mitte geschrieben, die anderen Worte darumherum gruppiert (evtl. zuvor auf kleine Karten schreiben lassen). ABC-Spiel: Zu jedem Buchstaben des Alphabets wird ein Begriff gefunden der etwas mit "Frieden", "Krieg", "Streit" usw. zu tun hat. Sprichwörter zum Themenfeld suchen und hinterfragen. Vorsilben, Nachsilben: Wie verändern sich Wörter mit den jeweiligen Vor- oder Nachsilben, welche sind sinnvoll, welche nicht (z.B. Friedens-vertrag, -lieder). Sportsprache: Begriffe aus der Sportsprache (oder Alltagssprache) zusammentragen, z.B. "Bombenstimmung", "Bombenschuß", "Sportskanone", "Schlachtenbummler". Was sagen solche Begriffe aus, warum werden sie verwendet, welche anderen Begriffe könnte man stattdessen verwenden? |
10. Lieber Herr Präsident ... - Briefe an PolitikerInnen |
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| "Kinder schreiben an Politiker", "Kinder
sagen Politikern ihre Meinung", "Kinder fordern Politiker
auf, endlich Frieden zu machen", so oder ähnlich lauten
Aufforderungen, die zu Ziel haben, daß Kinder Postkarten
oder Briefe an Politiker (z.B. Bill Clinton, Saddam Hussein usw.)
schreiben. Dies ist einerseits sicherlich eine mögliche Handlungsform, bei der Kinder lernen können, über ihr eigenes Klassenzimmer hinaus zu denken und zu agieren. Zum andern werfen solche Aktionen aber auch vielfältige Fragen auf: - Werden hier Kinder für die Anliegen der Erwachsenen mißbraucht? - Warum sollen Kinder den Einfluß ausüben, und das Erreichen können, was Erwachsene bereits abgeschrieben haben? - Können Kinder hierbei ihr eigenes Handeln übersehen? Wissen sie, was sie tun? |
Literaturhinweise |
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| Cultur Cooperation e.V. (Hrsg.): Kinder als Opfer
von Krieg und Verfolgung. Dokumenation zur Ausstellung "Ich
hab' den Krieg gezeichnet". Hamburg o.J. Große-Oetringhaus, Hans-Martin: Kinder im Krieg - Kinder gegen den Krieg. Mühlheim/Ruhr 1999 Gugel, Günther / Uli Jäger: Gewalt muß nicht sein. Eine Einführung in friedenspädagogisches Denken und Handeln. Tübingen 1996. Wendt, Irmela / Antoni Boratynski: Der Krieg und sein Bruder. Patmos Verlag, Düsseldorf 1991 Picasso. Grafik gegen den Krieg. Weinheim 1982. |
| Günther Gugel: Krieg
und Frieden im Grundschulunterricht. Zehn Möglichkeiten
das Thema aufzugreifen. Tübingen 2000. © 2000, Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V. |
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© Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. Corrensstr.12, D-72076 Tübingen, Tel.: 07071/920510, Fax: 07071/9205111 E-Mail: kontakt@friedenspaedagogik.de http://www.friedenspaedagogik.de |